Mitglied werden
Login Mitglied werden

Sportfotografie

Vertrag für Poolfotografie mit grenzwertigen Regeln

17.05.2020

Im Fußballsport ist die Zahl der Personen, die fotografisch aus den Stadien berichten dürfen, drastisch eingeschränkt worden. Nur noch drei Journalistinnen und Journalisten dürfen mit der Fotokamera aus dem Spiel berichten, zehn weitere Personen sind zugelassen für weitere (wort-)journalistische Berichterstattung.

Diese Regelungen wurden in einem Rahmenkonzept der Deutschen Fußball Liga GmbH genannt. Für dessen Umsetzung sind die rechtlich selbständigen Fußballvereine der 1. und 2. Bundesliga allerdings selbst verantwortlich. Die einzelnen Vereine können daher eigenständige Regelungen treffen, sowohl hinsichtlich der Zahl der Fotografinnen und Fotografen unter den journalistisch arbeitenden Personen als auch hinsichtlich der Auswahl und Bedingungen für die Fotografie.

Die Fußballvereine gehen derzeit durchweg von drei Personen aus und legen den Kreis der hierzu Berechtigten nach unterschiedlichen Konzepten fest. Im Wesentlichen spielen dabei Modelle eine Rolle, von denen eines vom Verband Deutscher Sportjournalisten (VDS) erarbeitet wurde, ein anderes wird offenbar vor allem in der 2. Bundesliga praktiziert. Im VDS-Modell geht ein Platz an die großen Agenturen, ein weiterer Platz an die Vereine und schließlich ein dritter Platz an eine Person, die frei arbeitet. Im anderen Konzept gehen dagegen sowohl der zweite und der dritte Platz an die Vereine. In beiden Modellen sollen andere Fotografinnen und Fotografen kostenfrei mit den Fotos beliefert werden, damit diese bei ihren bisherigen Kunden nicht mit leeren Händen dastehen.

Dem Deutschen Journalisten-Verband liegt jetzt ein Vertrag vor, der von der Person gelten soll, die den "Freien-Platz" nach dem VDS-Modell ausübt. Die wichtigsten Punkte aus diesem Vertrag:

Es wird kein Honorar gezahlt. Es gibt auch keine Beteiligung an den Verkaufserlösen der Abnehmer. Wie mit diesem Modell, Geld verdient werden kann, muss die Person selbst klären, die den Platz wahrnimmt, insbesondere hoffen, dass der Vertrieb an die eigenen Kunden wie bislang klappt. Das natürlich vor dem Hintergrund, dass alle anderen Akteure auf dem Markt exakt die gleichen Fotos haben.

Es müssen mindestens 60 Bilder geliefert werden, die über "Spiel und Spieler" ausgewogen berichten.

Die fotografierende Person darf keine Bilder allein für sich behalten, nicht einmal sonstige Bilder, die im Rahmen des Aufenthalts im Stadion erstellt werden, also vielleicht ein Foto, in dem sich Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Veranstaltung schon vor dem Spiel in interessanter Weise verhalten.

Die Bilder müssen in eine vom VDS eingerichtete Fotodatenbank eingespeist werden.

Es müssen umfassende Nutzungsrechte an den Bildern zum Zwecke der redaktionellen Berichterstattung eingeräumt werden, ohne "inhaltliche, zeitliche oder territoriale Beschränkung".

Es besteht keine Haftungseinschränkung in dem Sinne, dass im Falle eines Rechtsstreites die Haftung allein durch die Abnehmer übernommen wird und diese auch für die Freistellung verantwortlich sind, wenn die Fotografin oder der Fotograf direkt von einer Person wegen der Nutzung durch Abnehmer verklagt werden. Etwa in dem Fall, dass sich ein Spieler oder eine Person im Stadion wegen einer ungünstig wirkenden Position in Persönlichkeitsrechten verletzt sieht und daher eine Klage erhebt.

Der Name der Fotografin oder des Fotografen ist auf dem Bild zu nennen, aber zusammen mit dem Namen der Person, die das Bild aus dem Pool abgenommen hat. Das soll nach dem Muster geschehen: "Name/Agentur - Verbreitung durch Name/Agentur".

Der Vertrag sieht keine größere Haftung der Betreiber der VDS-Fotodatenbank vor, wenn es dort Fehler wie beispielsweise einen unautorisierten Zugriff von Dritten geben sollte, lediglich bei Verschulden "des VDS" für Ausfälle und Fehlfunktionen wird gehaftet. Damit ist auch unklar, wer zu Maßnahmen verpflichtet ist, wenn gelieferte Bilder in ganz anderen Zusammenhängen zirkulieren sollten.

Von Mitgliedern des DJV werden die Vorgaben des Vertrags nach dem VDS-Konzept als unangemessen angesehen. Vor allem wird hinterfragt, wie diese Tätigkeit betriebswirtschaftlich sinnvoll ausgeübt werden kann. Die fotografierende Person muss nicht nur sich selbst refinanzieren, sondern auch noch die für das Bild-Editing zuständige Person bezahlen, und kann ihren eigenen Kunden dann allerdings nur Bilder liefern, die auch jeder andere Akteur auf dem Fotomarkt hat. Angesichts der Tatsache, dass es schon heute sehr schwierig ist, von den gezahlten Honoraren auch nur für eine einzige Person wirtschaftlich sinnvoll im Stadion arbeiten zu lassen, ist die Finanzierung eines Editors während des Spiels für viele Freie praktisch unmöglich oder führt zu Selbstausbeutung ohne wirtschaftlichen Sinn.

Die inhaltlichen Vorgaben zur Art und Weise der Fotografie schränken die Freiheit bei der Auswahl der Motive deutlich ein. Die fehlenden Haftungseinschränkungen für die Verwendung der Aufnahmen unterlegen die Tätigkeit zusätzlich mit einem gewissen Risiko.

Das Verbot, auch nur ein einziges Foto im Stadion zu eigenen Zwecken anfertigen zu dürfen, nicht einmal Fotos vor und nach dem Spiel, und auch objektiv überschüssige Fotos nicht einmal für spätere Zeiten vorhalten zu können, stellt zudem einen äußerst starken Eingriff in die fotografische Freiheit dar.

Das sind nur einige Fragen gegenüber dem Vertrag. Die Juristinnen und Juristen der für den Rechtsschutz zuständigen DJV-Landesverbände prüfen derzeit, welche rechtlichen Maßnahmen dagegen möglich sind und welche Passagen selbst nach einer Unterschrift möglicherweise auch ignoriert werden dürfen, weil sie eventuell rechtswidrig sind.

Weiteres zum Thema findet sich unter djv.de/sportbilder



Michael Hirschler, hir@djv.de











DJV4Freie Corona Sportbilder Akkreditierung DJV-Freie DJV-Bild Bildrecht

Weitere Artikel im DJV-Blog

Charlotte Merz
Charlotte Merz

15.05.2024

Die Richterin und das Grundrecht Pressefreiheit

Mit ihrem resoluten Vorgehen gegen einen ZDF-Reporter offenbart Richterin Charlotte Merz ein fragwürdiges Verhältnis zum Grundrecht der Pressefreiheit.

Mehr
STREIK BEIM WDR
STREIK BEIM WDR

07.05.2024

Gier auf Kosten der Freien

Dass Medienunternehmen in Tarifverhandlungen knauserig sind, ist nicht neu. Dass manche von ihnen erst durch Arbeitskämpfe zu besseren Angeboten zu bewegen sind, auch nicht. Dass aber die Honorare der …

Mehr
RAI
RAI

06.05.2024

Legt die Arbeit nieder

Beim italienischen Fernsehsender RAI wird heute gestreikt. Nicht für mehr Geld oder neue Tarifverträge, sondern gegen die Einmischungen der Regierung in die Programminhalte.

Mehr
ITALIEN
ITALIEN

26.04.2024

Hände weg von der RAI

Die Versuche der politischen Einflussnahme durch die Regierung Meloni auf den Rundfunksender RAI nehmen zu. Anfang Mai soll es deshalb einen Streik geben.

Mehr
MEDIENKRITIK
MEDIENKRITIK

25.04.2024

Til Schweiger überzieht

Im Interview mit der Zeit übt Schauspieler und Regisseur Til Schweiger heftige Kritik an einigen Medien. Das kann nach der Berichterstattung über ihn nicht verwundern. Aber bei Kritik belässt er es ni …

Mehr
WDR-RUNDFUNKRAT
WDR-RUNDFUNKRAT

24.04.2024

Zeichen gesetzt

Der Rundfunkrat des Westdeutschen Rundfunks fordert von dem Sender rechtliche Schritte, wenn die Erhöhung des Rundfunkbeitrags von der Politik nicht zügig beschlossen wird.

Mehr
JOURNALISTEN
JOURNALISTEN

22.04.2024

Wir sind kein Klischee

Warum nur geraten Journalisten im Spielfilm so gnadenlos daneben? Weil die Drehbuchschreiber keine Ahnung vom Journalismus haben? Oder weil sich das Klischee besser verkauft als die Wirklichkeit?

Mehr
URLAUBSENTGELT
URLAUBSENTGELT

19.04.2024

Freie, aufgepasst!

Freie beim Deutschlandradio haben Anspruch darauf, dass Wiederholungshonorare für die Berechnung des Urlaubsentgelts berücksichtigt werden. Das entschied das Bundesarbeitsgericht in einem Grundsatzurt …

Mehr
TARIFKONFLIKT
TARIFKONFLIKT

17.04.2024

Hoch zu Ross

750 Beschäftigte des Westdeutschen Rundfunks hatten gestern die Nase voll und beteiligten sich am Warnstreik der Gewerkschaften. Bestätigt wurden sie von den Verhandlern der Gegenseite.

Mehr
PROSIEBENSAT.1
PROSIEBENSAT.1

16.04.2024

Berlusconi ante portas

Droht der Fernsehkonzern ProSiebenSat.1 von Hauptaktionär Media for Europe übernommen zu werden? Die Medienaufsicht sollte ihren Blick schärfen.

Mehr
FERNSEHNACHRICHTEN
FERNSEHNACHRICHTEN

15.04.2024

Angekündigte Katastrophe

Mehrere Stunden lang flogen iranische Drohnen Richtung Israel. Stunden, in denen die Öffentlich-Rechtlichen ihr Programm hätten umkrempeln können. Doch bis zu Sondersendungen in ARD und ZDF vergingen  …

Mehr
SWMH
SWMH

11.04.2024

Tröpfchen-Kommunikation

Die Südwestdeutsche Medienholding (SWMH), zu der die Süddeutsche Zeitung gehört, tut sich schwer mit klaren und umfassenden Fakten zum geplanten Stellenabbau bei der SZ.

Mehr
ÜBERGRIFFE
ÜBERGRIFFE

09.04.2024

Nicht mehr so schlimm?

Laut Reporter ohne Grenzen ist die Zahl der Übergriffe auf Journalisten 2023 gegenüber dem Vorjahr stark gesunken. Grund zur Entwarnung? Eher nicht.

Mehr
HÖCKE-INTERVIEWS
HÖCKE-INTERVIEWS

08.04.2024

Mit Präzision begegnen

Wie lassen sich Interviews mit Thüringens AfD-Politiker Björn Höcke führen? Sollten sie überhaupt geführt werden? Damit hat sich die Süddeutsche Zeitung in einem lesenswerten Bericht auseinandergesetz …

Mehr
FÖDERL-SCHMID
FÖDERL-SCHMID

05.04.2024

Hexenjagd geht weiter

Die Universität Salzburg bescheinigt der stellvertretenden SZ-Chefredakteurin Alexandra Föderl-Schmid "kein relevantes wissenschaftliches Fehlverhalten". Sie darf ihren Doktortitel behalten. Das sieht …

Mehr
UPDATE: RUNDFUNK-MANIFEST
UPDATE: RUNDFUNK-MANIFEST

04.04.2024

Nah am Rand

Über das "Manifest für einen neuen öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Deutschland" sind die notorischen Medienhasser in den Social Media aus dem Häuschen. Bei aller berechtigten Kritik an den Öffentli …

Mehr
KÖLNER STADT-ANZEIGER
KÖLNER STADT-ANZEIGER

03.04.2024

Vermarkter am Ruder

Die Online-Ausgabe des Kölner Stadt-Anzeigers soll der digitalen Produktentwicklung unterstellt werden und angeblich redaktionell unabhängig bleiben. Zweifel sind angebracht.

Mehr
KÜNSTLICHE INTELLIGENZ
KÜNSTLICHE INTELLIGENZ

28.03.2024

Die Leser sind nicht blöd

Zeitungsleser wollen für Inhalte, die mit KI erzeugt werden, weniger bezahlen. Das ergab eine Umfrage. Eigentlich eine klare Aussage - wären da nicht Marketingexperten, die Morgenluft wittern.

Mehr
VOICES FESTIVAL
VOICES FESTIVAL

27.03.2024

Journalismus trifft Medienkompetenz

Nur wenn Qualitätsjournalismus und Medienkompetenz zusammenspielen, kann eine Zukunft gelingen, in der der Mensch im Mittelpunkt steht, fand DJV-Vorstandsmitglied Ute Korinth in Florenz heraus.

Mehr
TELEGRAM
TELEGRAM

26.03.2024

Schluss mit lustig

Ein spanisches Gericht hat den Messengerdienst Telegram in dem Land abgeschaltet. Grund sind Verstöße gegen das Urheberrecht.

Mehr