Journalistische Qualität im Mittelpunkt
IQ - Initiative Qualität im Journalismus
Informatives
Leitfaden Pressemitteilungen
Die Broschüre "Leitfaden Pressemitteilungen" hat die Initiative Qualität im September 2021 zusammen mit der VDMO (Vereinigung der Medien-Ombudsleute e.V.) herausgegeben.
- Download: Leitfaden Pressemitteilungen (PDF)
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IQ-Forum 2026 in Nürnberg
Regionaljournalismus wichtiger denn je!
- Wie stellen sich regionale Medien heute auf?
- Wie gehen Journalist:innen und Medienhäuser mit Rechts um?
- Und welche Antworten finden Sie auf die Herausforderungen der Deep Fakes?
Das IQ-Forum 2026 schaute am 28. März gemeinsam mit Nürnberger Medienschaffenden und vielen Gästen auf die Entwicklung des Regionaljournalismus. Mit dabei waren unter anderem der DJV, die dju, die DGPuK, der BDZV Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger, der Deutsche Presserat, der Journalistinnenbund e.V., jule: Initiative junge Leser GmbH, die Vereinigung der Medienombudsleute und viele mehr..
Perspektiven des Nürnberger Regional-/Lokaljournalismus
Zum Auftakt sprach Kerstin Dornbach, stv. Leiterin des Studios Franken des Bayerischen Rundfunks über die Neuaufstellung des Studios, das ein riesiges Berichtsgebiet zu betreuen hat. „Franken ist in der Fläche so groß wie Hessen, mit Großstädten wie Nürnberg oder Hof und ländlichen Gebieten, wie dem Main-Spessart-Kreis. Wir haben uns so aufgestellt, dass wir innerhalb von spätestens 90 Minuten überall in Franken vor Ort sein, berichten, recherchieren und auf Sendung oder online gehen können für den BR.“ Rund 140 festangestellte Mitarbeitende sowie diverse Freelancer und Pauschalisten wirkten daran mit.
Mit Alexander Zeitelhack und Florian Kerschner blickte Markus Kaiser auf die Radioregion Nürnberg. "Bayern war das erst Bundesland mit einem Privatrundfunkgesetz", erinnerte Alexander Zeitelhack. 1984 entstanden die ersten Strukturen für Radio und Fernsehen, während der BR kein Interesse zeigte. Weil alle Player damals mitmischen wollten, sei eine riesige Vielfalt entstanden.
"Ich glaube, die Zukunft des Audios und des Radios liegt in klaren Formaten", führte Florian Kerschner aus. "Und da kann ein journalismusgeprägtes Format ein Teil sein. Dann muss es aber auch konsequent umgesetzt werden." Lokaljournalismuspodcasts werden eine große Rolle spielen, ist er überzeugt. "Wir müssen den Hörern aber erklären, was ihr ihnen bieten. Und zwar auf den Punkt und nicht mit 'Ich habe die beste Musik etc.'"
Seit 2020 gehen die Relevanzreporter in Nürnberg einen eigenen Weg des lokalen Journalismus. Von ihren Erfahrungen berichtete Alexandra Haderlein. 17 Menschen berichten hier inzwischen aus der Region und versuchen, "Lokaljournalismus wieder sexy zu machen". Mit Markus Kaiser bot sie einen Überblick, welche Projekte es deutschlandweit inzwischen gibt und wie sie Journalismus neu denken.
"Wir machen eine Tugend aus der Not, gehen in direkten Austausch mit den Menschen und diskutieren mit ihnen." So komme es, dass die Relevanzreporter beispielsweise keinen weißen Hintergrund auf ihrer Webseite haben. "Das liegt daran, dass der Seniorenbeirat der Stadt Nürnberg auf uns zukam und sagte: 'Wer sehbeeinträchtigt ist, für den ist schwarz auf weiß auf einem Comupterbildschirm echt schwierig.' Also ist das bei uns Vanille." So gestalten die Nutzer:innen ihr Medium mit. "Und wenn das dazu beiträgt, dass Menschen den Journalismus konsumieren können, die das sonst nicht tun: super."
Berichten über Rechtsextremismus - Gefährliches Leben als Investigativjournalist
Für Betroffenheit bei den rund 70 Teilnehmenden im Nürnberger Presseclub sorgten die Ausführungen, von BR-Investigativjournalist Jonas Miller, der Einblicke in seine Arbeit und seine Recherchen gab und auch beschrieb, zu welcher Lebensweise er gezwungen ist: "Ich bin mehrfach umgezogen. Mein richtiger Name steht nicht am Klingelschild. Meine Post bekomme ich an eine andere Adresse und ich fahre immer andere Wege zur Arbeit. Das Leben hat sich in jedem Fall verändert.“
Diese Vorsicht habe sich ausgezahlt, denn die rechtsextreme Szene wisse wer er sei und sei in ihrer Gefahr nicht zu unterschätzen, betonte Miller: "Es gab einen Brandanschlag auf mein Auto. Es gab rechtsextreme Schmierereien und Graffitis an meiner Wohnungstür und im Wohnungsumfeld." Das Netzwerken und der Austausch mit Kolleginnen und Kollegen, gäben im Halt, sagte Miller: "Es gibt bundesweit viele Kolleginnen und Kollegen, die im Fadenkreuz von Rechtsextremisten stehen. Der Austausch gerade mit diesen Kollegen ist wichtig. "
Gemeinsam stärker
Elke Graßer-Reitzner von den Nürnberger Nachrichten, die mit Miller und dem BR bereits bei Rechercheprojekten zum Thema Rechtsextremismus kooperiert hat, pflichtete diesem Rat Millers bei und riet Journalistinnen und Journalisten, die investigativ arbeiten wollten und sich um ihre Sicherheit sorgen müssten:
"Mein Tipp: Schließt euch zusammen, vernetzt euch, sichert euch ab. Und zieht Leute ins Vertrauen, jemand sollte wissen, wo ihr seid und was ihr macht." Christian Mihr zeigte, wie Journalist:innen weltweit mit diesen Herausforderungen umgehen und wie die Reporter ohne Grenzen Kolleg:innen unterstützen. "Bei solchen Themen ist der Austausch etwas, was in vielen Ländern ähnlich funktioniert", erklärte er. Doch auch die Zusammenarbeit mit den Behörden sei ein Knackpunkt. Werkzeuge wie der Presseausweis seien nach wie vor nicht bundesweit gut bekannt.
"Am Ende hängt es immer noch sehr stark von einzelnen Leuten ab. Es habe sich im Bereich der Weiterbildung zwar schon etwas getan, da sind die Gewerkschaften ja auch sehr aktiv, trotzdem merken wir, dass auch das Recht auf Pressefreiheit von rechten Streamern missbraucht wird und dass das auch die Polizei in Gefahrenlagen überfordern kann."
Bürgerräte mit Potenzial
Prof. Dr. Marlis Prinzing von der Hochschule Macromedia Köln referierte zum Thema „Bürgerräte als Treiber von Regional- und Lokaljournalismus“. Darin läge, aus ihrer Sicht, großes Potenzial. Bürgerforen seien durch die Zufallsziehungen aus den Melderegistern daher attraktiv, weil nicht „die üblichen Verdächtigen einer bestimmten Bubble“ zum Zuge kämen, erklärte der zum Thema zugeschaltete Experte Dr. Jens Schmitz, Vorsitzender der Pressestiftung Baden-Württemberg, über ein Bürgerrat-Projekt aus BaWü. Ein Bericht soll demnächst erscheinen.
Wie gehen lokale Medien mit Deep Fakes um? Deepfakes stellen neue Herausforderung dar
Das Forum beendete ein Panel zur Frage, wie lokale Medien mit Deepfakes umgehen. Prof. Dr. Christian Rückert von der Universität Bayreuth ging auf aktuelle Gesetzgebungsverfahren ein und verwies auf die aktuelle Brisanz, die das Thema Deep Fakes durch Enthüllungen in letzter Zeit bekommen haben. Neue Regeln brauche es dringend und das Strafrecht müsse auf den aktuellen Stand gebracht werden, sagte er.
Dennoch biete das Recht schon heute eine Fülle von Instrumentarien, die man nutzen könne, betonte er: „Nicht alles Recht muss neu sein“. Den Beweischarakter, den Bildmaterial im Deep-Fake-Zeitalter bisher gehabt habe, werde es künftig so nicht mehr geben, warnte er. Wir überlassen es tatsächlich den Gerichten am Ende des Tages in ihrer eigenen Lufthoheit, zu entscheiden, was wahr und was falsch ist“, sagte Rückert.
KI und Detection Tools
"Der Markt wird sich grundlegend verändern", betonte Samim Faiz von Accenture. "Alle Firmen pushen den Markt, sich neu zu erfinden. Sie versuchen, die gesamte Industrie in ihrem Sinne mit KI effizienter und besser zu gestalten." Dass sich das auf alle Menschen auswirke, machte er deutlich. Denn damit würden sich die Erwartungen an alle Arbeitnehmer:innen ändern. Neben der Effizienzsteigerung würden auch Detektionstools immer wichtiger. "Wir schauen uns in der Forschung an, wie erklärt ein Tool den Menschen, ob es sich um einen generierten Inhalt handelt oder nicht."
„In technischer Weise ist es kaum möglich, dem Problem Herr zu werden“, sagte Prof. Dr. Alexander Godulla von der Universität Leipzig und verwies auf jüngste Negativ-Beispiele, bei denen Fakes nicht erkannt wurden. Besonders lokale Medien könnten derzeit von den Fehlern der überregionalen lernen, sagte er.
Er berichtete von einem Deep-Fake-Projekt in Leipzig und der Erfahrung, dass Wissenschaftler:innen die Relevanz von Forschungsfragen zu dem Thema anders einschätzen als die Gesellschaft. "Ein Beispiel: Wir wollten nicht zu Pornographie arbeiten, weil das gar nicht so komplex ist. Aber neun von zehn Anfragen von Journalistinnen an mich drehen sich um Pornographie, weil da ein großes Diskursinteresse vorhanden ist." Wie Menschen derzeit mit Deep Fakes umgehen, stellt er anhand der Leipziger Daten anschaulich dar.
Rückblick: IQ-Dreiländertreff 2024
KI im Journalismus, Parallelwelten und Medienethik
Nach fast drei Jahren Pause haben sich Vertreterinnen und Vertreter der Initiativen Qualität aus Deutschland, Österreich und der Schweiz im Januar 2024 zum Dreiländertreffen in Wien zusammengefunden. Mit dabei in der deutschen Delegation waren erstmals die neue Sprecherin Mariana Friedrich und der neuen Sprecher Philipp Blanke, die das Amt im Herbst 2023 von Ulrike Kaiser übernommen hatten.
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