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Es reicht

Stopp mit Hass, Einschüchterungen und Gewalt

16.09.2025

“Meinungsfreiheit hat Grenzen”. Mit diesen Worten kündigte Dunja Hayali vor zwei Tagen an, sich für einen Moment aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen. Weil sie permanent auf allen Kanälen attackiert wird.

Weil es eben niemanden kalt lässt, wenn täglich Morddrohungen ins Postfach flattern. Weil ein freier Journalismus so nicht möglich ist. Und weil Medienschaffende Menschen sind.

 „Aus Gründen mal ein paar Tage Pause… Danke für die anständigen, kritischen Kommentare!”, schreibt sie. Die unanständigen, die Morddrohungen, die sexistischen geben wir hier nicht wieder. Sie stehen für alle lesbar im Netz und sprengen all das, was noch irgendwas mit Kritik zu tun haben könnte.

Dieses Verhalten erschreckend zu nennen, wäre viel zu freundlich ausgedrückt. Es ist nicht erschreckend, erschütternd, bestürzend. Es ist verdammt nochmal eine Schande für unser Land, dass Journalistinnen und Journalisten täglich Gewaltandrohungen und physischer wie psychischer Gewalt ausgesetzt sind. Einzig und allein, weil sie ihren Job machen. Einen Job, der mit der Presse- und Meinungsfreiheit in unserem Grundgesetz verbrieft ist. Einen Job, der eine wesentliche Säule unserer Demokratie mit Leben erfüllt.

Dunja Hayali ist nicht die Einzige, die solchen Angriffen ausgesetzt ist. Es werden täglich mehr Kolleg:innen, die sich damit auseinandersetzen müssen. Die versuchen, nach Pressekodex möglichst objektiv zu berichten, während sie und ihre Familien bedroht werden. DAS GEHT NICHT. Niemand kann unter Angst Höchstleistungen erbringen. Und niemand muss sich das gefallen lassen.

Dunja Hayali ist eine derjenigen, die sich trauen, öffentlich zu zeigen, was Menschen in unserem Land inzwischen für “im Netz normal” halten. Hassnachrichten, Angriffe, Bedrohungen. Wir brauchen mutige Kolleg*innen wie sie, sonst hat der Journalismus irgendwann gar keine Stimme mehr. Schon jetzt überlegen sich junge Menschen, ob sie diesen Job wirklich machen möchten. Gestandene Medienschaffende geben auf, weil sie verzweifeln. Weil selbst die stärksten Menschen diesen Druck nicht auf Dauer aushalten können, ohne krank zu werden.

Für den Mut und ihre Stärke, weiter ihren Job mit Herzblut gewissenhaft auszuüben, hat Dunja Hayali, haben all die, die weiter berichten, unseren vollen Respekt.

Was Dunja Hayali gerade erlebt, ist ungefilterte Gewalt. Keine Meinungsäußerung, kein Kavaliersdelikt. Es ist Gewalt, und es muss als solche benannt werden. Gewalt, die einen Menschen, der dieser Gewalt ausgesetzt ist, mental belastet. Gewalt, die die Pressefreiheit infragestellt - und damit unsere demokratischen Grundwerte. Gewalt, die online beginnt und nicht selten offline mit physischen Angriffen endet. Online-Gewalt wird, nur weil sie online stattfindet, nach wie vor kaum geahndet. Auch, weil sich die Angreifenden feige hinter Synonymen verstecken.

Wenn starke Stimmen aus Angst vor Hass und Gewalt schweigen, dann wird unsere Demokratie in ihren Grundfesten angegriffen. Wir als Gesellschaft tragen Verantwortung dafür, die Pressefreiheit zu schützen. Politik, Unternehmen, Strafbehörden und jeder einzelne von uns. Wir dürfen nicht weiter dulden, dass unsere Rechte mit Füßen getreten werden. Wir stehen solidarisch an Dunja Hayalis Seite.

Ein Kommentar von Mariana Friedrich und Ute Korinth

* Kollegen und Kolleginnen, die das Bedürfnis haben, über Druck und Anfeindungen zu reden, können sich auch an die Helpline von Netzwerk Recherche wenden. HateAid unterstützt bei digitalen Angriffen.

Gewalt gegen Medienschaffende Online-Journalismus Pressefreiheit Demokratie

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