Rechtsextremes Magazin bei Edeka
Vielleicht gehe ich doch besser woanders einkaufen
Edeka ist mittlerweile so teuer wie eine Apotheke, hat neulich ein Freund zu mir gesagt, und ich habe mich gefragt, warum ich trotzdem immer noch dort einkaufen gehe.
Ich musste nicht lange überlegen: Im Bioladen ist mir das Obst zu hart, im Discounter oftmals nicht frisch genug, also bin ich meinem Supermarkt um die Ecke – sei es aus Bequemlichkeit oder Gewohnheit – viele Jahre treu geblieben. Nicht einmal in der Corona-Pandemie habe ich mir einen anderen Supermarkt gesucht. Wahrscheinlich, weil der Laden für mich für gute Produkte und die richtige Auswahl steht – bis ich einen Artikel im Tagesspiegel gelesen habe.
Darin geht es um einen Kunden, der bei einer Filiale in Berlin-Zehlendorf ein rechtsextremes Magazin entdeckt hat, über das in jüngster Vergangenheit schon viel gesprochen und geschrieben wurde. Den Supermarkt damit konfrontiert, bekam der Kunde von der Edeka-Zentrale lediglich als Antwort, dass man leider nichts machen könne und man sich im Übrigen von rechtsextremem Gedankengut distanziere. Dass der Händler nicht verpflichtet ist, ein solches Magazin anzubieten, hat der Tagesspiegel ausführlich begründet.
Ein rechtsextremes Magazin bei meinem Supermarkt, ein rechtsextremes Plakat bei meinem Augenarzt – was kommt als nächstes? Diese Phasen unserer Gegenwart sind zu wichtig, um sie zu verschlafen. Oder solche Dinge einfach zu ignorieren. Wir müssen wach bleiben, manchmal auch lautstark protestieren. Und aufzeigen, dass für uns kein – auch kein klitzekleiner – Spalt extremistischen Gedankenguts irgendwie okay ist. Schade eigentlich, weil sich Edeka im vergangenen Jahr mit einer Kampagne indirekt von der AfD distanziert hat.
Dies ist auch nicht nur eine belanglose Angelegenheit eines einzelnen Edeka in Zehlendorf. Diese Sache muss ein Nachspiel haben, am besten eine öffentliche Entschuldigung nach sich ziehen. Denn wenn rechtsextreme Magazine weiter wie ganz normal neben Spiegel, LandLust und Bunte liegen, hat mich Edeka als Kundin verloren – und das auf Dauer.
Ein Kommentar von Gina Schad