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KI

Der größte Raub geistigen Eigentums in der Geschichte

21.03.2025

Meta hat seine KI Llama 3 mit Millionen Büchern und Fachaufsätzen trainiert – ohne Wissen der Autor:innen. Denn für das Training hat der Mutterkonzern von Facebook, Instagram, WhatsApp und Threads einfach einen riesigen Datensatz raubkopierter Texte genutzt. 

Es gab eine Zeit, da galten Raubkopierer als der Untergang der Film- und Spieleindustrie. Ob Einzelfall oder professionell, Teenager oder Rentnerin – in vielen Fällen wurden die Raubkopierer verurteilt – zu Geld- oder Gefängnisstrafen. Flankiert wurde das juristische Vorgehen damals mit Werbespots, in denen zum Beispiel eine Mutter mit zwei Kindern vor dem Fenster einer JVA ein Geburtstagsständchen für den einsitzenden Vater sangen – und dem Spruch „Hart aber gerecht. Raubkopierer werden mit bis zu 5 Jahren Freiheitsentzug bestraft“. 

So hart das Vorgehen gegen Einzelpersonen war, so wenig wird aktuell gegen den wohl größten Raub geistigen Eigentums in der Geschichte der Menschheit vorgegangen – vielleicht, weil dieses Mal kein Jugendlicher der Täter ist, sondern einer der größten Tech-Konzerne der Welt: Meta. 

Bereits 2023 hatte die US-Zeitschrift The Atlantic über Metas schmutzige Praktiken berichtet, hatten Autor:innen wie Sarah Silverman und Christopher Golden deswegen gegen den Zuckerberg-Konzern geklagt. Und seit Anfang dieses Jahres war klar: Dieser Raubzug war von Meta-Chef Zuckerberg persönlich abgesegnet worden. 

Llama 3, die Meta-KI, soll ChatGPT Konkurrenz machen. Für das KI-Training wurde demnach auf „Library Genesis“ (LibGen) zurückgegriffen, den wohl größten illegalen Datensatz von fiktionalen und non-fiktionalen Texten wie wissenschaftlichen Aufsätzen. Aktuell umfasst der mehr als 7,5 Millionen Bücher und über 81 Millionen Fachaufsätze, die – ohne das Wissen ihrer Autor:innen – zusammengetragen wurden – und dessen Ursprünge in Russland liegen.

Bislang war es für betroffene Autor:innen kaum möglich, herauszufinden, welche ihrer Werke in LibGen illegalerweise auftauchen. Das hat sich nun geändert. „The Atlantic“-Autor Alex Reisner hat eine einfache Möglichkeit geschaffen, LibGen nach dem eigenen Namen – oder den eigenen Werken - zu durchsuchen.

Im LibGen-Datensatz finden sich bekannte internationale Autor:innen wie Stephen King oder Margaret Atwood. Aber auch die Werke vieler deutschsprachiger Autor:innen und Journalist:innen sind Teil der illegalen Sammlung: Saša Stanišić, Margarete Stokowski, Kim de l’Horizon, Ingrid Brodnig, Herta Müller, Berit Glanz, Carlo Massala oder Dunja Hayali.

Dass der Meta-Konzern den eigenen Profit über Moral, Recht oder die eigenen Nutzer:innen stellt, ist nicht neu. Der Umfang, in dem Meta raubkopierte Texte nutzt, um den eigenen Profit zu maximieren, sollte aber allen zu denken geben, die Meta-Produkte nutzen. Es zeigt zugleich, wie wichtig eine wirksame Regulierung solcher Konzerne – und schmerzhafte Strafen für ihr illegales Vorgehen sind. Von der EU-Kommission ist allerdings keine Hilfe zu erwarten: Laut European Writer’s Council hatte die Kommission zuletzt Autor:innen und Verlage an die jeweiligen nationalen Gerichte verwiesen. 

Momentan sieht es nicht so aus, als würde dem bislang schlimmsten Raubkopierer der Geschichte eine Haftstrafe drohen. Aber einem Mark Zuckerberg würde wohl auch niemand ein Geburtstagsständchen vor dem Zellenfenster singen, sollte er doch zur Rechenschaft gezogen werden. 

Ein Kommentar von Jonathan Janoschka

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