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Letzte Generation

Abgestempelt

10.07.2023

Die Razzien gegen die Letzte Generation zeigen Folgen: Nahezu täglich wird berichtet, welche Journalisten Kontakt zu Aktivisten der Bewegung hatten und worüber gesprochen wurde. Indes: Die Faktenlage ist mehr als dürftig.

Die Razzien am 24. Mai hatten es in sich: Auf Veranlassung der Münchner Generalstaatsanwaltschaft wurden in mehreren Bundesländern Büros und Wohnungen durchsucht. Ziel waren Aktivisten der Bewegung Letzte Generation. Es blieb nicht bei Durchsuchungen. Computer wurden massenweise eingesammelt, die Homepage der Letzten Generation abgeschaltet.
Wenig später gab es erste Hinweise darauf, dass sich die Ermittler auch die Kontakte der Letzten Generation zu Journalistinnen und Journalisten ansahen. Denn es wurde offenbar nicht nur durchsucht, sondern auch abgehört. Der neue Vorsitzende des Bayerischen Journalisten-Verbands Harald Stocker meldete deshalb "erhebliche Zweifel an der Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen" an. Sein Fazit: "Wenn der Staat vertrauliche Telefonate mit Journalisten abhört, zerstört er die Grundlage für unsere Berichterstattung."
Inzwischen wird munter darüber berichtet, mit wem die Klimakleber Kontakt hatten und was zwischen ihnen und den Journalisten besprochen wurde. So behauptete die Welt am Sonntag etwa, der Berliner Journalist Tilo Jung sei der Erfinder einiger Slogans der Letzten Generation. Ach, wirklich? Jung keilte zurück: "Eine im Artikel unterstellte Gesprächs­­bestätigung meinerseits, und dass ich nur zu Details nix sagen will, gab es nicht." Jung erklärte, "grundsätzlich keinerlei Angaben zu Recherche- und Hintergrund­gesprächen" zu machen. Damit nicht genug. Auch in anderen Medien ist von angeblichen Kontakten zu Journalistinnen und Journalisten zu lesen, darunter solche Schwerkaräter wie die Redaktion von Jan Böhmermann oder NDR-Frontfrau Anja Reschke.
Die einzige Quelle dieser Veröffentlichungen sind die Unterlagen der Letzten Generation. Offenbar reicht das schon aus, so dürftig der Informationsgehalt auch ist. Sollen die betroffenen Journalisten mit der Nennung ihrer Namen als extremistisch abgestempelt werden? Mit aufklärendem Journalismus hat solche Berichterstattung nicht viel zu tun.
Ein Kommentar von Hendrik Zörner

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