Mitglied werden
Login Logout Mitglied werden
Warenkorb

Fotojournalisten

Änderungen in der Google-Bildsuche - Probleme bleiben

22.02.2018

Einzelbildpräsentation verschwindet wieder

Google verzichtet auf die isolierte Präsentation von Fotos im Rahmen der Suchergebnisse. Seit Anfang 2017, in manchen Ländern auch schon vorher, hatte Google im Rahmen der Bildersuche einen Knopf „Bild anschauen“, mit dem ein Bild in voller Auflösung der Originalseite, aber ohne jeden erkennbaren Zusammenhang mit dem Text der Originalseite, gezeigt wurde. Diese Funktion wurde von vielen Nutzern als Einladung verstanden, sich das Bild dann auch herunterzuladen. Das zeigte sich auch, nachdem Google die Änderungen vorgenommen hatten. Im Internet beklagten sich sofort Nutzer, die kritisierten, dass sie Bilder nicht mehr so einfach herunterladen könnten.

Fotojournalisten, Fotografen, Fotoagenturen und Verbände der Fotobranche hatten die Einzelbildpräsentation kritisiert, weil sie darin eine Werbung für Downloads und damit ihr Urheberrecht verletzt sehen. Der Präsident des europäischen Bildagenturverbandes CEPIC, Alfonso Gutierez, hat auf einer Fachtagung am Beispiel seiner eigenen Bilder klar gezeigt: sobald die Google Bildsuche Fotos auf seinen Webseiten indexiert und damit in Suchergebnissen anzeigt, resultieren daraus zahlreiche Downloads und anschließend Weiterverwendungen der Bilder auf anderen Internetseiten, ohne jede Erlaubnis seinerseits. „Ist ein Foto erst einmal von der neuen Google Bildsuche indexiert, wird es hundertfach geklaut“, so Gutierez.

Außerdem stellten die Fotojournalisten, Fotografen, Fotoagenturen und Betreiber von Webseiten mit Fotos einen Rückgang der Benutzerzahlen auf ihren Seiten fest, da die Fotos die Nutzer nicht mehr zu ihren Seiten brachten, weil die Fotos direkt auf Google.com angeschaut und heruntergeladen wurden. Für die Fotobranche sind Besuche von Nutzern aber schon deswegen wichtig, weil manche Firmen auf ihren Seiten Werbung schalten oder erfahrungsgemäß ein Teil der Nutzer dann auch tatsächlich Bildrechte erwirbt, statt Bilder einfach nur herunterzuladen.

Die Fotoverbände hatten zudem weitere Punkte kritisiert. So beispielsweise den laschen Hinweis darauf, dass gezeigte Bilder „möglicherweise“ urheberrechtlich geschützt seien sowie weitere Knöpfe, die zum Teilen der gefundenen Bilder in sozialen Netzwerken einladen.

Google erklärte die Abschaffung der Einzelbildpräsentation mit Hinweis auf eine Vereinbarung mit der Firma Getty Images, die – wie auch Fotoverbände – bei der Europäischen Kommission Beschwerde gegen die Firma eingelegt hatte. Teil der Vereinbarung war auch, dass Getty Images Bilder für bestimmte Google-Dienste liefern wird. Eine explizite Lizenzierung für die Anzeige von Bildern in der Google Bildsuche soll dagegen nicht vereinbart worden sein. Getty hat im Zusammenhang mit der Vereinbarung die Beschwerde bei der Kommission zurückgezogen.

Die deutschen Fotoverbände, darunter auch der DJV, haben seit Anfang 2017 in enger Abstimmung mit Getty Images mehrere Gespräche mit Google geführt, in denen sie die Abschaffung der neuen Bildersuche forderten. Auch hier war die Einzelbildpräsentation einer der zentralen Kritikpunkte.

Sind damit die Probleme der Fotobranche mit Google beendet? Wohl eher nicht. Denn Google arbeitet in der Bildsuche weiterhin mit hochaufgelösten Fotos, statt wie früher nur daumennagelgroße Vorschaubilder zu zeigen. Jeder Internetnutzer kann die Fotos daher mit rechtem Mausklick („Grafik anzeigen“ / „Grafik herunterladen“) weiterhin groß anzeigen lassen und/oder herunterladen. Darüber hinaus gibt es bereits Zusatzprogramme für den Google-Browser Chrome und auch den Firefox-Browser, mit dem die Einzelbildpräsentation wie zuletzt angeboten weiterhin möglich bleibt. Von den Nutzern wird das als Möglichkeit verstanden, um Fotos weiterhin in voller Auflösung direkt aus der Bildersuche herunterzuladen, wie Kommentare im Netz zeigen.

Es bleibt zudem dabei, dass Google neben der Verwendung der hochaufgelösten Bilder einen laschen Hinweis bezüglich des Urheberrechts verwendet und zum Teilen und Weiterleiten der Bilder wirbt.

Ohnehin hat der „Deal“ von Google mit Getty Images ein Geschmäckle. Google vereinbart offenbar, dass in Zukunft Fotos (vor allem) bei Getty Images gekauft werden, was angesichts der Marktmacht beider Firmen wettbewerbsrechtlich als problematisch erscheint. Getty Images zieht im gleichen Zusammenhang die Beschwerde bei der EU-Kommission zurück und begründet das vor allem mit dem Wegfall der Einzelbildpräsentation.

Ein kritischer Beobachter könnte auch meinen: der Firma Getty Images wurde ihre Beschwerde wohl eher abgekauft. Das erinnert an die Praxis der Firma Microsoft, als die EU-Kommission wegen Wettbewerbsverletzungen gegen sie vorging. Firmen, die eine Beschwerde eingelegt hatten, wurden von Microsoft einfach aufgekauft. Auch wenn Getty Images jetzt (noch) nicht direkt von Google aufgekauft wurde, sieht es ziemlich ähnlich aus. Es bestehen Zweifel daran, dass der Rückzug der Beschwerde dadurch motiviert war, dass bei Getty Images wirklich alle Verantwortlichen mit der von Google vollzogenen Änderungen zufriedengestellt waren. Vermutlich hat für die Spitze von Getty Images eher der „Deal“ wegen der Fotolizenzen gezählt, wofür man bereit war, andere Gesichtspunkte mal eben unter den Tisch fallen zu lassen. Denn gerade die Firma Getty Images hatte kritisiert, dass die neue Bildersuche zu einem erheblichen Rückgang der Besucherzahlen auf den eigenen Seiten führt. Für Getty Images war dies (und ist das vermutlich auch weiterhin) ein echtes Problem, weil die Firma dort auch Anzeigen von anderen Firmen platziert, die wegen des hohen Besucherverkehrs auf den Getty-Seiten an der Platzierung von Werbung interessiert sind. Vermutlich haben die Entscheider bei Getty Images den Gewinn aus dem Lizenzierungsdeal mit den Verlusten durch die neue Bildersuche abgewogen und den Schluss für sich gezogen. Gar nicht ausgeschlossen werden kann natürlich auch, dass noch weitergehende, der Öffentlichkeit unbekannte Punkte eine Rolle spielen.

Die Fotoverbände ziehen aus all diesen Gründen weder ihre Beschwerden bei der EU-Kommission zurück noch halten sie die übrigen Features der Bildsuche jetzt für weniger problematisch. Weitere Verhandlungsrunden mit Google sind freilich durchaus geplant, um die Firma ohne Rechtsstreit zum Einlenken zu bringen. Die Verbände prüfen dennoch weiterhin, ob sie nicht doch Klageverfahren wegen Urheberrechtsverletzungen durchführen müssen und andere rechtliche Angriffspunkte suchen müssen. Schon jetzt klagt der Vorsitzende der Fotojournalistenvereinigung Freelens vor dem Landgericht Hamburg, eine Entscheidung wird demnächst erwartet. Die Auseinandersetzung mit Google geht also weiter, daran ändern der halbherzige Rückzug von Google beim Einzelbild und die Vereinbarung mit Getty Images erst einmal nichts.


Michael Hirschler, hir@djv.de

DJV-Bild Bildrecht Die letzten vier Meldungen der DJV-Startseite
Bildrecht

Weitere Artikel im DJV-Blog

Aktivrente
Aktivrente

16.10.2025

Schlag ins Gesicht der Freien

„Die Aktivrente kommt - weil Leistung zählt“, verspricht die CDU vollmundig auf ihrer Homepage. Das Kabinett hat den Gesetzentwurf beschlossen.

Mehr
Wenn Signal verstummt
Wenn Signal verstummt

06.10.2025

Chatkontrolle bedroht Pressefreiheit

Der wichtigste sichere Messenger könnte bald aus Europa verschwinden – mit gravierenden Folgen für die Pressefreiheit.

Mehr
Gelungene Zusammenarbeit
Gelungene Zusammenarbeit

18.09.2025

Respektvoll über Sexarbeit berichten

Kaum eine Berufsgruppe polarisiert die Menschen so sehr wie die Sexarbeit.

Mehr
Es reicht
Es reicht

16.09.2025

Stopp mit Hass, Einschüchterungen und Gewalt

“Meinungsfreiheit hat Grenzen”. Mit diesen Worten kündigte Dunja Hayali vor zwei Tagen an, sich für einen Moment aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen. Weil sie permanent auf allen Kanälen attackiert  …

Mehr
USA
USA

15.09.2025

Es ist fünf vor zwölf

Was seit der Ermordung von Charlie Kirk medial und politisch geschieht, ist heftig. Sehr heftig.

Mehr
20 Jahre Besser Online
20 Jahre Besser Online

08.09.2025

Dystopie, Dark Tech und ein bisschen Hoffnung

AI is a wonderful servant, but a terrible master. Wenn wir KI gezielt einsetzen, um einzelne Aufgaben zu lösen, kann sie ein wertvolles Werkzeug sein. Wenn wir die Tools unreflektiert und unreguliert  …

Mehr
Rechtsextremes Magazin bei Edeka
Rechtsextremes Magazin bei Edeka

31.07.2025

Vielleicht gehe ich doch besser woanders einkaufen

Edeka ist mittlerweile so teuer wie eine Apotheke, hat neulich ein Freund zu mir gesagt, und ich habe mich gefragt, warum ich trotzdem immer noch dort einkaufen gehe.

Mehr
Die DJV-Kommission Europa und Internationales in Straßburg
Die DJV-Kommission Europa und Internationales in Straßburg

29.07.2025

Journalismus muss lauter werden

“Wenn wir uns für die Medienfreiheit einsetzen, kämpfen wir für die Demokratie als solche”, sagt Sabine Verheyen, Vizepräsidentin des EU-Parlaments. Anlass dieser Aussage ist ein Zusammentreffen mit d …

Mehr
DJV bei CSD-Parade in Köln
DJV bei CSD-Parade in Köln

08.07.2025

Zwischen Regen und Regenbogen für die Vielfalt

Köln, CSD-Sonntag, Nieselregen. Graue Wolken über der Domstadt, doch unten auf den Straßen: ein Farbenmeer. Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) war in diesem Jahr mit einem eigenen Wagen und viel  …

Mehr
Fotojournalisten von Guns n' Roses Konzert ausgeschlossen
Fotojournalisten von Guns n' Roses Konzert ausgeschlossen

19.06.2025

Keine Fotografen – oder das tyrannische Management

Hausrecht gewinnt vor Presserecht. Fotojournalisten werden vom Guns N’Roses Konzert am 20. Juni in München ausgeschlossen. Sie bekommen keine Akkreditierung. Beobachter mit ihren professionellen Kamer …

Mehr
Journalisten, vereinigt euch!
Journalisten, vereinigt euch!

16.05.2025

Der wahre Gegner sitzt im Silicon Valley

Einigungen sind meist erfreulich, besonders zwischen erbitterten Rivalen wie dem öffentlichen Rundfunk und den privaten Medienhäusern. Doch die Einigung zwischen der Schweizerischen Radio- und Fernseh …

Mehr
Rückblick: DJV-Media-Hour
Rückblick: DJV-Media-Hour

06.05.2025

Tan Caglar über Inklusion, Humor und den richtigen Umgang mit Behinderung

„Geht offensiv mit euren Einschränkungen um.“ Diesen Rat gibt Schauspieler, Comedian und Rollstuhlfahrer Tan Caglar in der dritten Ausgabe der Media Hour des Bundesfachausschusses Chancengleichheit un …

Mehr
Diskussion um IFG
Diskussion um IFG

02.04.2025

Journalismus braucht Auskunftsrecht

Die „repräsentative Demokratie“ stärken – das klingt zunächst gut. Unter dieser Überschrift aber will der Unions-Chefverhandler in der Koalitions-Arbeitsgruppe "Bürokratieabbau, Staatsmodernisierung,  …

Mehr
Berichterstattung unter Trump
Berichterstattung unter Trump

28.03.2025

Alle sind ausgelaugt

Früher haben wir über Autokraten berichtet, die unsere Meinungsfreiheit einschränken. Jetzt können wir uns schon glücklich schätzen, ohne Probleme in die USA einreisen zu dürfen. Redaktionen brauchen  …

Mehr
KI
KI

21.03.2025

Der größte Raub geistigen Eigentums in der Geschichte

Meta hat seine KI Llama 3 mit Millionen Büchern und Fachaufsätzen trainiert – ohne Wissen der Autor:innen. Denn für das Training hat der Mutterkonzern von Facebook, Instagram, WhatsApp und Threads ein …

Mehr
Internationaler Frauentag
Internationaler Frauentag

07.03.2025

Weniger Journalistinnen in Führungspositionen

Der Weltfrauentag feiert die bisher erlangte Gleichberechtigung der Frauen und macht gleichzeitig auf die noch bestehenden Ungleichheiten aufmerksam.

Mehr
Equal Pay Day
Equal Pay Day

07.03.2025

Warum wir noch immer über Gehaltsgerechtigkeit sprechen müssen

Jedes Jahr markiert der Equal Pay Day symbolisch die geschlechtsspezifische Lohnlücke in Deutschland. 2025 fällt er auf den 7. März – genau einen Tag vor dem Internationalen Frauentag. Doch was bedeut …

Mehr
Meinungsfreiheit ins Netz gegangen
Meinungsfreiheit ins Netz gegangen

06.03.2025

Wie Big Tech unser Denken und unseren Diskurs bestimmt

„In Europa verlieren sie gerade ihr wunderbares Recht auf freie Meinungsäußerung“, sagte Trump kürzlich.

Mehr
Anfrage
Anfrage

26.02.2025

551 Messerstiche ins Herz der Demokratie

Was Friedrich Merz von Menschen hält, die sich für unsere Demokratie und gegen rechte Kräfte einsetzen, hat er kurz vor der Wahl bewiesen. Als “Spinner”, die “nicht alle Tassen im Schrank” haben, besc …

Mehr
Gefährliche Heuchelei
Gefährliche Heuchelei

16.02.2025

JD Vance in München

Was stimmt nun von dem, was JD Vance bei der Sicherheitskonferenz in München sagt? Der US-Vizepräsident sagte: „Wenn Menschen ihre Meinung äußern und man dafür bestraft wird, dann wird die Trump-Regie …

Mehr