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Gil Ofarim

Das war nicht gut

29.11.2023
Ein Kommentar von
Hendrik Zörner

Der Musiker Gil Ofarim hat eingeräumt, dass es keine antisemitische Attacke in einem Leipziger Hotel gegen ihn gegeben hat. Der Medienhype vor zwei Jahren sollte uns zu denken geben.

Anfang Oktober 2021 soll Gil Ofarim an der Rezeption eines Leipziger Hotels aufgefordert worden sein, seinen Davidstern abzulegen, den er an einer Kette um den Hals trug. Aus dem angeblichen Vorfall machte Ofarim noch am "Tatort" seinen eigenen Hype, indem er ein Video aufnahm und es auf Youtube einstellte. Die Wirkung war gigantisch, der Film ging international mit seinen Klickzahlen durch die Decke. Eine Thema für die Medienberichterstattung? Auf  jeden Fall, auch wenn sich die Bekanntheit des Musikers in Grenzen hielt.
Dass ein Jude den Davidstern in einem deutschen Hotel abnehmen sollte, war ein so skandalöser Vorgang, dass ihn die Medien aufgreifen mussten. Die Frage war nur, wie. Denn vom ersten Moment an war klar, dass es sich um Verdachtsberichterstattung handelte, denn das Hotel stritt die Vorwürfe ab. Und Zeugen des Vorfalls fanden sich nicht. Das wurde in der Berichterstattung durchaus erwähnt, aber die Kommentierungen gingen ganz klar in eine Richtung: Antisemitismus, mitten in Deutschland. Mancherorts wurde über das Verhältnis der Ostdeutschen zur Nazi-Vergangenheit spekuliert. Als es keine Neuigkeiten in der Sache gab, ebbte der Hype ab. Dass es ein Gerichtsverfahren geben würde, fand sich dann noch in Meldungsform wieder. Gestern nun der Knall: Gil Ofarim nahm seine Vorwürfe gegen das Hotel zurück und entschuldigte sich bei dem betroffenen Mitarbeiter.
Seitdem drängen sich Fragen auf: Hätten wir Journalisten die Finger von dem Thema lassen sollen? Eindeutig nicht. Aber wir hätten deutlicher darauf hinweisen müssen, dass es sich vom ersten Augenblick an um unbewiesene Vorwürfe des Musikers handelte, die vom Hotel abgestritten wurden. Und der spekulative Teil der Berichterstattung nach dem Motto: "Kann es sein, dass..." wäre besser unterblieben.
Wir sollten daraus lernen. Die nächste Verdachtsberichterstattung kann nicht lange auf sich warten lassen.

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