Mitglied werden
Login Mitglied werden

24 Stunden Zukunft

Datenjournalismus

08.04.2019

Datenjournalismus erklärt die Welt in Zahlen: Seit einigen Jahren etabliert sich der datenbasierte Journalismus zunehmend in Online-Medienangeboten. Dabei handelt es sich um mehr als nur das Aufbereiten von Daten durch interaktive Webseiten und bunte Grafiken. Es geht darum, Geschichten in Daten zu finden und diese zu erzählen.

Der Journalist Michael Hörz erklärt in seinem Workshop während der DJV-Tagung „24 Stunden Zukunft“ die Grundlagen des neuen Journalismus-Genres. Um beim Aufbereiten der Daten nicht von Massen an Zahlen erschlagen zu werden, stellt Hörz eine Grundregel auf. Wichtig sei es, einen Datensatz zu „interviewen“. Dabei solle man mit zuvor aufgestellten Thesen an die Daten herangehen und die eigenen Fragen beantworten, quasi gezielt nach Mustern suchen. Hat man diesen Schritt gemeistert, folgt die Visualisierung der Daten.  Interaktive, spielerische und ästhetisch ansprechende Grafiken sind ein Alleinstellungsmerkmal des Datenjournalismus. Komplizierte Sachverhalten können auf diese Weise leicht verständlich vermittelt werden. Grafiken alleine reichen aber nicht aus, sie stellen nur einen Mehrwert dar. Letztendlich gehe es darum, eine Geschichte zu erzählen und diese auch weiterdrehen zu können.Hörz führt mehrere Beispiele zum Datenjournalismus aus deutschsprachigen Medien an. Die Berliner Morgenpost bereitete in dem Projekt „M29 - Berlins Buslinie der großen Unterschiede“ Statistiken zum Leben in verschiedenen Stadtteilen auf. Die Buslinie, die einmal von den Villen in Grunewald bis zum Hermannplatz in Neukölln fährt, zeige das „soziale Universum der Stadt“.  Auf der Grundlage von Statistiken werden Themen wie das Einkommen von Anwohner_innen, ihr Alter, die Arbeitslosigkeit, oder auch der Anteil von Airbnb-Ferienwohnungen in unterschiedlichen Stadtteilen anhand der Bushaltestellen visualisiert und in den Artikel eingebunden. Ergänzend dazu findet man in dem Artikel Interviews mit Anwohner_innen zu Themen wie der Mietsteigerung in Berlin. Die Interaktivität solcher Projekte ermöglicht das Erschließen der Daten durch eine aktive Rezeptionserfahrung.Die nötigen Daten für ein eigenes Projekt dieser Art zu bekommen, ist gar nicht mal so schwierig. Dank des Informationsfreiheitsgesetzes ist es möglich, Daten von Ämtern und Behörden zu beantragen. Nach einer kurzen Internetrecherche findet man außerdem schnell Open Data Portale von Regierungen, wie govdata.de. Reichen die gefundenen Daten nicht aus oder sind nicht passend für die Analyse, gibt es zudem die Möglichkeit als Medienanbieter auf die „Schwarmintelligenz“ des eigenen Publikums zurückzugreifen.  Dies setzte beispielsweise die Süddeutsche Zeitung Online mit dem Crowdsourcing-Projekt #MeineMiete um. Ganze 57.000 Menschen füllten laut eigenen Angaben einen Fragebogen zur Wohnsituation, Mietausgaben und finanzieller Belastung aus. Daraus entstand das datenbasierte Projekt „Deutschlands Mietmarkt ist kaputt“.Schwächen des Genres zeigen sich in der Umsetzung. Die Realisierung ist meist nur im Team möglich und es gibt eine Menge Tools, in die man sich zunächst einarbeiten sollte. Einige Datensätze sind außerdem schwer zugänglich. Bei der Interpretation der Daten besteht zudem die Gefahr, dass Fehlschlüsse gezogen werden. Aus diesem Grund sollten Daten auch in einen Kontext eingebettet werden. Die Stärken des Datenjournalismus zeigen sich vor allem darin, dass es sich hierbei um eine evidenzbasierte Berichterstattung handelt und man viele Geschichten in nur einem Datensatz finden kann. Gerade für den investigativen Journalismus ist der Datenjournalismus eine interessante Wahl der Aufbereitung. Das Analysieren von Datensätzen, die beispielsweise von Regierungen stammen, bieten hohe Transparenz für die Öffentlichkeit. Von Betül Sarikaya

Junge Journalistinnen und Journalisten Online-Journalismus

Weitere Artikel im DJV-Blog

Charlotte Merz
Charlotte Merz

15.05.2024

Die Richterin und das Grundrecht Pressefreiheit

Mit ihrem resoluten Vorgehen gegen einen ZDF-Reporter offenbart Richterin Charlotte Merz ein fragwürdiges Verhältnis zum Grundrecht der Pressefreiheit.

Mehr
STREIK BEIM WDR
STREIK BEIM WDR

07.05.2024

Gier auf Kosten der Freien

Dass Medienunternehmen in Tarifverhandlungen knauserig sind, ist nicht neu. Dass manche von ihnen erst durch Arbeitskämpfe zu besseren Angeboten zu bewegen sind, auch nicht. Dass aber die Honorare der …

Mehr
RAI
RAI

06.05.2024

Legt die Arbeit nieder

Beim italienischen Fernsehsender RAI wird heute gestreikt. Nicht für mehr Geld oder neue Tarifverträge, sondern gegen die Einmischungen der Regierung in die Programminhalte.

Mehr
ITALIEN
ITALIEN

26.04.2024

Hände weg von der RAI

Die Versuche der politischen Einflussnahme durch die Regierung Meloni auf den Rundfunksender RAI nehmen zu. Anfang Mai soll es deshalb einen Streik geben.

Mehr
MEDIENKRITIK
MEDIENKRITIK

25.04.2024

Til Schweiger überzieht

Im Interview mit der Zeit übt Schauspieler und Regisseur Til Schweiger heftige Kritik an einigen Medien. Das kann nach der Berichterstattung über ihn nicht verwundern. Aber bei Kritik belässt er es ni …

Mehr
WDR-RUNDFUNKRAT
WDR-RUNDFUNKRAT

24.04.2024

Zeichen gesetzt

Der Rundfunkrat des Westdeutschen Rundfunks fordert von dem Sender rechtliche Schritte, wenn die Erhöhung des Rundfunkbeitrags von der Politik nicht zügig beschlossen wird.

Mehr
JOURNALISTEN
JOURNALISTEN

22.04.2024

Wir sind kein Klischee

Warum nur geraten Journalisten im Spielfilm so gnadenlos daneben? Weil die Drehbuchschreiber keine Ahnung vom Journalismus haben? Oder weil sich das Klischee besser verkauft als die Wirklichkeit?

Mehr
URLAUBSENTGELT
URLAUBSENTGELT

19.04.2024

Freie, aufgepasst!

Freie beim Deutschlandradio haben Anspruch darauf, dass Wiederholungshonorare für die Berechnung des Urlaubsentgelts berücksichtigt werden. Das entschied das Bundesarbeitsgericht in einem Grundsatzurt …

Mehr
TARIFKONFLIKT
TARIFKONFLIKT

17.04.2024

Hoch zu Ross

750 Beschäftigte des Westdeutschen Rundfunks hatten gestern die Nase voll und beteiligten sich am Warnstreik der Gewerkschaften. Bestätigt wurden sie von den Verhandlern der Gegenseite.

Mehr
PROSIEBENSAT.1
PROSIEBENSAT.1

16.04.2024

Berlusconi ante portas

Droht der Fernsehkonzern ProSiebenSat.1 von Hauptaktionär Media for Europe übernommen zu werden? Die Medienaufsicht sollte ihren Blick schärfen.

Mehr
FERNSEHNACHRICHTEN
FERNSEHNACHRICHTEN

15.04.2024

Angekündigte Katastrophe

Mehrere Stunden lang flogen iranische Drohnen Richtung Israel. Stunden, in denen die Öffentlich-Rechtlichen ihr Programm hätten umkrempeln können. Doch bis zu Sondersendungen in ARD und ZDF vergingen  …

Mehr
SWMH
SWMH

11.04.2024

Tröpfchen-Kommunikation

Die Südwestdeutsche Medienholding (SWMH), zu der die Süddeutsche Zeitung gehört, tut sich schwer mit klaren und umfassenden Fakten zum geplanten Stellenabbau bei der SZ.

Mehr
ÜBERGRIFFE
ÜBERGRIFFE

09.04.2024

Nicht mehr so schlimm?

Laut Reporter ohne Grenzen ist die Zahl der Übergriffe auf Journalisten 2023 gegenüber dem Vorjahr stark gesunken. Grund zur Entwarnung? Eher nicht.

Mehr
HÖCKE-INTERVIEWS
HÖCKE-INTERVIEWS

08.04.2024

Mit Präzision begegnen

Wie lassen sich Interviews mit Thüringens AfD-Politiker Björn Höcke führen? Sollten sie überhaupt geführt werden? Damit hat sich die Süddeutsche Zeitung in einem lesenswerten Bericht auseinandergesetz …

Mehr
FÖDERL-SCHMID
FÖDERL-SCHMID

05.04.2024

Hexenjagd geht weiter

Die Universität Salzburg bescheinigt der stellvertretenden SZ-Chefredakteurin Alexandra Föderl-Schmid "kein relevantes wissenschaftliches Fehlverhalten". Sie darf ihren Doktortitel behalten. Das sieht …

Mehr
UPDATE: RUNDFUNK-MANIFEST
UPDATE: RUNDFUNK-MANIFEST

04.04.2024

Nah am Rand

Über das "Manifest für einen neuen öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Deutschland" sind die notorischen Medienhasser in den Social Media aus dem Häuschen. Bei aller berechtigten Kritik an den Öffentli …

Mehr
KÖLNER STADT-ANZEIGER
KÖLNER STADT-ANZEIGER

03.04.2024

Vermarkter am Ruder

Die Online-Ausgabe des Kölner Stadt-Anzeigers soll der digitalen Produktentwicklung unterstellt werden und angeblich redaktionell unabhängig bleiben. Zweifel sind angebracht.

Mehr
KÜNSTLICHE INTELLIGENZ
KÜNSTLICHE INTELLIGENZ

28.03.2024

Die Leser sind nicht blöd

Zeitungsleser wollen für Inhalte, die mit KI erzeugt werden, weniger bezahlen. Das ergab eine Umfrage. Eigentlich eine klare Aussage - wären da nicht Marketingexperten, die Morgenluft wittern.

Mehr
VOICES FESTIVAL
VOICES FESTIVAL

27.03.2024

Journalismus trifft Medienkompetenz

Nur wenn Qualitätsjournalismus und Medienkompetenz zusammenspielen, kann eine Zukunft gelingen, in der der Mensch im Mittelpunkt steht, fand DJV-Vorstandsmitglied Ute Korinth in Florenz heraus.

Mehr
TELEGRAM
TELEGRAM

26.03.2024

Schluss mit lustig

Ein spanisches Gericht hat den Messengerdienst Telegram in dem Land abgeschaltet. Grund sind Verstöße gegen das Urheberrecht.

Mehr