Mitglied werden
Login Mitglied werden

#AusgebranntePresse

Gruselkabinett der Medienfeindlichkeit

29.12.2021

Einige Tweets zu #AusgebranntePresse. Zum Schutz der Journalistinnen und Journalisten anonymisiert. Screenshots: DJV.

Unter dem Hashtag #AusgebranntePresse posten Journalistinnen und Journalisten ihre Erlebnisse mit Anfeindungen, Drohungen, Beleidigungen und Angriffen. Die Sammlung ist bedrückend.

Seit über eineinhalb Jahren nehmen die verbalen und körperlichen Übergriffe gegen Journalistinnen und Journalisten zu. Jetzt reicht es vielen Medienschaffenden, unter #AusgebranntePresse machen sie sich in den Sozialen Medien Luft und schildern, was sie teilweise ertragen müssen. Das Lesen tut weh, es kommt ein Gruselkabinett an Hass, Menschenverachtung und Medienfeindlichkeit zusammen: von Schmähungen bis zu Morddrohungen, Doxing und tätlichen Angriffen.

„Körperlich attackiert zu werden ist Alltag. Nach Ausstrahlung kriege ich Nachrichten wie ‚Fotze‘, ‚Stück Scheiße‘, ‚Huren-Reporterin‘“. „Seit ich über die #Querdenker-Szene berichte, werde ich beleidigt und bedroht.“ „meine Privatadresse und Handynummer werden in Telegram-Kanälen mit mehreren tausend Followern geleaked. Dazu der Aufruf, mir mal die Meinung zu sagen‘.“ „Am Rande einer Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen, wurde ich von diesem Teilnehmer angegriffen. Es ist eine von mehreren Attacken, die ich in den vergangenen Monaten immer wieder erleben musste, von Beschimpfungen ganz zu schweigen.“ „Angespuckt, ins Gesicht gefasst, mit dem Tode bedroht. Aber auch in Schutz genommen, verteidigt und in der Ausübung unserer Arbeit unterstützt.“ „Auf einen Text über einen Holocaustleugner folgten Mord- und Gewaltdrohungen, zig Verfahren gegen Täter:innen.“

Die Liste an weiteren Beispielen ist lang, sehr lang. Auf Twitter trendet der Hashtag #AusgebranntePresse mit über 13.700 Tweets (Stand 29.12.2021 12:00 Uhr). Und natürlich schreiben dort auch die Medienfeinde und Querdenker fleißig mit. Empathie und Verständnis scheinen einigen schon lange verloren gegangen zu sein.

Viele Medienschaffende haben sich schon von der Berichterstattung beispielsweise über die Demonstrationen gegen die Coronamaßnahmen zurückgezogen. Man kann es ihnen kaum verübeln. Andere sind dort nur noch mit Sicherheitspersonal zum Schutz tätig. Denn die Erfahrung zeigt leider, dass auf die Polizei vor Ort nicht immer Verlass ist.

Der DJV bietet seinen Mitgliedern Unterstützung sowie Rechtsschutz. Außerdem hat er zusammen mit anderen Organisationen einen Schutzkodex für Medienschaffende ins Leben gerufen. Die Vertreter des DJV sind im ständigen Austausch mit den Behörden und der Polizei auf Bundes- und Landesebene. Dort muss endlich noch mehr passieren, um Journalistinnen und Journalisten zu schützen. Trotzdem ist auch jeder Einzelne gefragt und aufgerufen, der kleinen, radikalen Minderheit der Demokratiefeinde und Medienhassern entgegenzutreten und klarzustellen, dass ihr gewalttätiges Verhalten in Deutschland nicht geduldet wird. Solidarität und großen Respekt für alle Journalistinnen und Journalisten, die sich nicht einschüchtern lassen und nach wie vor berichten!

Ein Kommentar von Paul Eschenhagen

DJV-Blog

Weitere Artikel im DJV-Blog

Charlotte Merz
Charlotte Merz

15.05.2024

Die Richterin und das Grundrecht Pressefreiheit

Mit ihrem resoluten Vorgehen gegen einen ZDF-Reporter offenbart Richterin Charlotte Merz ein fragwürdiges Verhältnis zum Grundrecht der Pressefreiheit.

Mehr
STREIK BEIM WDR
STREIK BEIM WDR

07.05.2024

Gier auf Kosten der Freien

Dass Medienunternehmen in Tarifverhandlungen knauserig sind, ist nicht neu. Dass manche von ihnen erst durch Arbeitskämpfe zu besseren Angeboten zu bewegen sind, auch nicht. Dass aber die Honorare der …

Mehr
RAI
RAI

06.05.2024

Legt die Arbeit nieder

Beim italienischen Fernsehsender RAI wird heute gestreikt. Nicht für mehr Geld oder neue Tarifverträge, sondern gegen die Einmischungen der Regierung in die Programminhalte.

Mehr
ITALIEN
ITALIEN

26.04.2024

Hände weg von der RAI

Die Versuche der politischen Einflussnahme durch die Regierung Meloni auf den Rundfunksender RAI nehmen zu. Anfang Mai soll es deshalb einen Streik geben.

Mehr
MEDIENKRITIK
MEDIENKRITIK

25.04.2024

Til Schweiger überzieht

Im Interview mit der Zeit übt Schauspieler und Regisseur Til Schweiger heftige Kritik an einigen Medien. Das kann nach der Berichterstattung über ihn nicht verwundern. Aber bei Kritik belässt er es ni …

Mehr
WDR-RUNDFUNKRAT
WDR-RUNDFUNKRAT

24.04.2024

Zeichen gesetzt

Der Rundfunkrat des Westdeutschen Rundfunks fordert von dem Sender rechtliche Schritte, wenn die Erhöhung des Rundfunkbeitrags von der Politik nicht zügig beschlossen wird.

Mehr
JOURNALISTEN
JOURNALISTEN

22.04.2024

Wir sind kein Klischee

Warum nur geraten Journalisten im Spielfilm so gnadenlos daneben? Weil die Drehbuchschreiber keine Ahnung vom Journalismus haben? Oder weil sich das Klischee besser verkauft als die Wirklichkeit?

Mehr
URLAUBSENTGELT
URLAUBSENTGELT

19.04.2024

Freie, aufgepasst!

Freie beim Deutschlandradio haben Anspruch darauf, dass Wiederholungshonorare für die Berechnung des Urlaubsentgelts berücksichtigt werden. Das entschied das Bundesarbeitsgericht in einem Grundsatzurt …

Mehr
TARIFKONFLIKT
TARIFKONFLIKT

17.04.2024

Hoch zu Ross

750 Beschäftigte des Westdeutschen Rundfunks hatten gestern die Nase voll und beteiligten sich am Warnstreik der Gewerkschaften. Bestätigt wurden sie von den Verhandlern der Gegenseite.

Mehr
PROSIEBENSAT.1
PROSIEBENSAT.1

16.04.2024

Berlusconi ante portas

Droht der Fernsehkonzern ProSiebenSat.1 von Hauptaktionär Media for Europe übernommen zu werden? Die Medienaufsicht sollte ihren Blick schärfen.

Mehr
FERNSEHNACHRICHTEN
FERNSEHNACHRICHTEN

15.04.2024

Angekündigte Katastrophe

Mehrere Stunden lang flogen iranische Drohnen Richtung Israel. Stunden, in denen die Öffentlich-Rechtlichen ihr Programm hätten umkrempeln können. Doch bis zu Sondersendungen in ARD und ZDF vergingen  …

Mehr
SWMH
SWMH

11.04.2024

Tröpfchen-Kommunikation

Die Südwestdeutsche Medienholding (SWMH), zu der die Süddeutsche Zeitung gehört, tut sich schwer mit klaren und umfassenden Fakten zum geplanten Stellenabbau bei der SZ.

Mehr
ÜBERGRIFFE
ÜBERGRIFFE

09.04.2024

Nicht mehr so schlimm?

Laut Reporter ohne Grenzen ist die Zahl der Übergriffe auf Journalisten 2023 gegenüber dem Vorjahr stark gesunken. Grund zur Entwarnung? Eher nicht.

Mehr
HÖCKE-INTERVIEWS
HÖCKE-INTERVIEWS

08.04.2024

Mit Präzision begegnen

Wie lassen sich Interviews mit Thüringens AfD-Politiker Björn Höcke führen? Sollten sie überhaupt geführt werden? Damit hat sich die Süddeutsche Zeitung in einem lesenswerten Bericht auseinandergesetz …

Mehr
FÖDERL-SCHMID
FÖDERL-SCHMID

05.04.2024

Hexenjagd geht weiter

Die Universität Salzburg bescheinigt der stellvertretenden SZ-Chefredakteurin Alexandra Föderl-Schmid "kein relevantes wissenschaftliches Fehlverhalten". Sie darf ihren Doktortitel behalten. Das sieht …

Mehr
UPDATE: RUNDFUNK-MANIFEST
UPDATE: RUNDFUNK-MANIFEST

04.04.2024

Nah am Rand

Über das "Manifest für einen neuen öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Deutschland" sind die notorischen Medienhasser in den Social Media aus dem Häuschen. Bei aller berechtigten Kritik an den Öffentli …

Mehr
KÖLNER STADT-ANZEIGER
KÖLNER STADT-ANZEIGER

03.04.2024

Vermarkter am Ruder

Die Online-Ausgabe des Kölner Stadt-Anzeigers soll der digitalen Produktentwicklung unterstellt werden und angeblich redaktionell unabhängig bleiben. Zweifel sind angebracht.

Mehr
KÜNSTLICHE INTELLIGENZ
KÜNSTLICHE INTELLIGENZ

28.03.2024

Die Leser sind nicht blöd

Zeitungsleser wollen für Inhalte, die mit KI erzeugt werden, weniger bezahlen. Das ergab eine Umfrage. Eigentlich eine klare Aussage - wären da nicht Marketingexperten, die Morgenluft wittern.

Mehr
VOICES FESTIVAL
VOICES FESTIVAL

27.03.2024

Journalismus trifft Medienkompetenz

Nur wenn Qualitätsjournalismus und Medienkompetenz zusammenspielen, kann eine Zukunft gelingen, in der der Mensch im Mittelpunkt steht, fand DJV-Vorstandsmitglied Ute Korinth in Florenz heraus.

Mehr
TELEGRAM
TELEGRAM

26.03.2024

Schluss mit lustig

Ein spanisches Gericht hat den Messengerdienst Telegram in dem Land abgeschaltet. Grund sind Verstöße gegen das Urheberrecht.

Mehr