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Deutsche Welle

Umbau und Einzelfälle sorgen bei Freien für Empörung

18.09.2014

Geldmangel, gleichzeitig neue Projekte - Geschäftsleitung setzt auf Einschnitte bei Freien


Die Deutsche Welle ist in den Schlagzeilen und Medienberichten - zuletzt im NDR-Medienmagazin ZAPP zu den Konflikten in der China-Redaktion. Der Rauswurf einer freien Mitarbeiterin und die Versetzung des angestellten Redaktionsleiters sind allerdings nur die Spitze des Eisbergs.

Offenbar ist eine neue Hemdsärmeligkeit im Umgang mit Mitarbeitern angesagt. Was die Geschäftsleitung sich in den Kopf setzt, wird ohne Rücksicht auf die Kosten umgesetzt. Ein ägyptischer Satiriker wird teuer eingekauft, der Sender auf 24-Stunden-Nachrichten im Stil von CNN oder Russia TV (RT.com) getrimmt, ohne dass von der Bundesregierung zusätzliche Geldmittel zur Verfügung gestellt worden sind.

Die Deutsche Welle braucht prinzipiell - selbst ohne Programmausbau - mehr Geld. Bis 2018 muss, wenn allein die Inflationsrate und üblichen Tariferhöhungen (die in der Regel kaum die Inflation ausgleichen) berücksichtigt werden, der Etat der Deutschen Welle um mindestens 20 Millionen Euro steigen. Doch Geldzusagen der Bundesregierungen betrafen zuletzt nur einzelne Maßnahmen und waren damit befristet.

Derzeit baut die DW aus, ohne überhaupt den Inflationsausgleich in Aussicht zu haben. Die Geschäftsleitung scheint dabei darauf zu setzen, dass sie sich am Etat für freie Mitarbeit bedienen kann. Doch die freie Mitarbeit ist in der DW nicht einfach nur ein jederzeit verzichtbares Element, sondern ist fest in den Programmbetrieb integriert, gehört in vielen Bereichen zum Kernbereich der Sende- und Online-Abläufe. Mit dem Einschnitt und Kürzungsmaßnahmen der Honoraretats wird vielerorts der Alltagsbetrieb der DW in Frage gestellt.

Klar scheint, dass die neue Geschäftsleitung der DW die Bedeutung der freien Mitarbeiter für den Regelbetrieb nicht sieht. Einschnitte kommen plötzlich und ohne erkennbare Logik - so wird die erst vor wenigen Jahren eingerichtete Spanisch-Redaktion im Fernsehen jetzt wieder abgebaut, die extra angeworbenen spanischsprachigen Freien fragen sich, wie seriös und sozial ein Arbeitgeber ist, der ständig die Positionen ändert.

Positionswechsel in der strategischen Ausrichtung, mangelnde Umgangsformen mit freien Mitarbeitern und zusätzlich auch noch immer neue und sich widersprechende Positionen bei der inhaltlichen Tendenz wie im Fall der China-Redaktion - in der DW rumort es. Schon gibt es erste Forderungen von Freien, den Sendebetrieb für einen oder mehrere Tagen lahmzulegen - durch einen "Streik der Freien", um Beschäftigungssicherung und soziale Umgangsformen einzufordern.

Was derzeit noch wie unbestimmte Diskussion wirkt, kann sich in den nächsten Wochen schnell zuspitzen. Denn spätestens am Ende des Jahres heißt es Kassensturz. Die Geschäftsleitung wird dann feststellen, dass sie viel Geld für Neues ausgegeben oder weiter verplant hat, ohne dass die Bundesregierung das mit dauerhaften und spürbaren Etaterhöhungen honoriert. Es ist abzusehen, dass es dann erneut an die Honoraretats der Abteilungen geht, was sehr abstrakt klingt, aber konkret heißen wird: Noch mehr Freie müssen gehen.

Freie Journalisten sollten sich daher in den Betriebsgruppen ihrer Gewerkschaften engagieren und der für Berlin aktiven Freienvertretung, um Gegenmaßnahmen zu planen. Wer noch kein Mitglied ist, sollte das schnellstens prüfen, damit im Falle des Falles auch der Rechtsschutz vorhanden ist (für den es immer gewisse Vorlauffristen in der Dauer der Mitgliedschaft gibt), den die Gewerkschaften den Freien bieten.

MH

DJV-Freie
Freiberuflicher Journalismus

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