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New Work

"Wenn es ein Problem gibt, mach 'ne Party draus"

12.10.2018

Es gibt noch viel zu tun in den deutschen Medienhäusern, was das Thema New Work betrifft. Darüber waren sich die Podiumsteilnehmer des Panels New Work einig, die als erste Aktion vor Ort gemeinsam mit dem Publikum einen  Kreis gebildet hatten, in dem man sich gut austauschen kann. Ein erster Schritt in Richtung New Work.Positive Beispiele, wie es laufen kann, stellten dann Kersten A Riechers (quäntchen + glück) und Brigitte Schröder (vom Verein Digital Media Women, kurz DMW) vor, während Martin Talmeier und Klaus Motoki Tonn  von ihren Erfahrungen mit großen, alten Zusammenschlüssen im Bereich Medien und Kirche berichteten, wo es unvergleichlich schwerer fällt, New Work einzuführen.Kersten A. Riechers, der auch schon  für Zeit, FAZ und Gründerszene geschrieben hat, erzählte von den langen und anstrengenden Prozessen in der dann von ihm mitgegründeten 20-Personen-Agentur, ein Arbeitsmodell zu finden, das für alle akzeptabel ist und dass dieses Modell immer wieder neu angepasst werde. Um nur einige Punkte zu nennen: Aktuell verdienen dort alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen genau das Gleiche (mit Ausnahme von Praktikanten und studentischen Hilfskräften). Montags werden keine E-Mails beantwortet. Der Tag sei für interne Meetings reserviert.  Das hat damit zu tun, dass es 20 verschiedene Arbeitszeiten und viele Homeofficetage gibt und man sich in der Phase vorher oft wochenlang nicht mehr gesehen hat. Statt einer Werteliste orientiere man sich intern an einer Culture Map, die die Unternehmskultur kartographiere. Quäntchen + glück hat für andere aus den eigenen Erfahrungen heraus ein New Work Quartett entwickelt, das Kersten Riechers vor Ort an interessierte Zuhörer und Zuhörerinnen verteilte. Auf die Frage, ob es ein positives Beispiel für gutes New Work bei den Verlagen gebe, sagte er: „Ich habe das Gefühl, die Verlage sterben einfach zu langsam. Da ist der Innovationsdruck einfach nicht groß genug.“ Sein abschließender positiver Rat an alle war etwas, was quäntchen + glück eingeführt hat: „Wenn es ein Problem gibt, mach 'ne Party draus.“ Es gebe dort seit vielen Jahren bei Problemen immer sogenannte Usability Testessen mit Pizza.Brigitte Schröder berichtete, dass die Selbstorganisation im ehrenamtlichen Bereich bei den Digital Media Women manche Neumitglieder erst einmal überfordere und auch nicht jeder immer damit klarkomme. Es sei aber klar, dass die ehrenamtlich tätigen Frauen im Verein dieses Modell beibehalten wollen. Es gebe keine Anweisungen von oben. Über ihre DMW-Erfahrungen ein Kapitel in dem Band "Führen in der vernetzten virtuellen und realen Welt" geschrieben.Agil, interdisziplinär, lernend, radikal nutzerorientiert – wie sich Medien-Organisation im digitalen Zeitalter verändert.Martin Talmeier, der sich am Hasso-Plattner-Institut mit Design Thinking beschäftigt, also mit der Frage: "Wie geht man mit Veränderung um?", informierte darüber, wie er immer wieder versuche, in großen Unternehmen den Wandel langsam anzustoßen. Das sei zäh und gehe langsam voran. Es gebe nicht die eine Lösung, die für alle passe. Man müsse immer individuell ansetzen. Wichtig sei vor allem, erst einmal das grundlegende Mindset zu verändern. Das geschehe immer noch viel zu selten im ersten Schritt.Klaus Motoki Tonn, der zum Digital Mindset im Umfeld von Kirchen promoviert hat und sich aktuell unter anderem um neue Kommunikationsstrategien der Landeskirche Hannover kümmert, stimmte dem zu. Der Erfolg von Neuerungen hängt zu 90 Prozent vom Menschen ab, nur zu 10 Prozent von der IT, sagt er. Er vertrat die These, dass Kirche und Medien im Hinblick auf die digitalen Veränderungen bisher ähnlich schwer beweglich sind. Die Church of England sei allerdings ein positives Gegenbeispiel. Dort habe sich gezeigt, dass, wenn man immer wieder gegen eine Wand trete, sie irgendwann scheinbar von alleine umfalle.Eva Werner

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