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Gastbeitrag

Wenn wir so weitermachen, hat der Journalismus keine Zukunft

14.04.2014

Journalisten brauchen eine starke tarifpolitische Vertretung, so dass wir unter anständigen Arbeitsbedingungen arbeiten können – da bleibt in den Online-Redaktionen, bei vielen Tageszeitungen, im Privatfunk, aber auch im öffentlich-rechtlichen Rundfunk noch viel zu tun. Journalisten brauchen einen starken Berufsverband, der unsere gesellschaftspolitischen Forderungen durchsetzte: Einige Stichworte weisen hier auf die drängenden Themen hin:

Die Entwürfe zum Leistungsschutzrecht und die anstehende Neugestaltung der Urheberrechte brauchen eine starke Vertretung der Interessen der Urheber. Schrankenrechte müssen dabei neu definiert werden und das Urheberrecht muss den digitalen Realitäten angepasst werden. Ein religionskriegsähnlicher Streit um "geistiges Eigentum" bringt uns da nicht weiter.

Die Medienkonvergenz verändert die Arbeitsbedingungen von uns Journalisten enorm. Das bietet Chancen, aber auch Gefahren, wenn Total-Buy-Out-Verträge uns Kreativen die Luft zum Atmen und die wirtschaftliche Basis zu Arbeiten nehmen.

Im Online-Journalismus bahnt sich eine Zwei-Klassen-Gesellschaft aus Edelfedern und Content-Schubsern an – das muss abgewendet werden.

Der immer noch löchrige Informantenschutz und die Lieblingsvorstellung so mancher Sicherheitspolitiker, die gern überwachte Journalisten durch die angestrebte Vorratsdatenspeicherung hätten.

Tarifpolitik, Medienpolitik, Gesellschaftspolitik kommen zusammen bei Frage: Hat der professionelle Journalismus noch eine Zukunft?“ Er hat nur eine, wenn wir offensiv für den professionellen Journalismus streiten. Dass die Zukunft des Journalismus crossmedial ist, haben viele Verleger noch nicht begriffen. Crossmedia verändert unseren Arbeitsalltag dramatisch. Und darauf müssen wir Einfluss nehmen. Neue Redaktionssysteme und Produktionssysteme kommen auf uns zu. Wenn wir uns diese Systeme von Verlegern und Hierarchen in den Funkhäusern vorsetzen lassen, lassen wir uns Arbeitsbedingungen diktieren, die niemand von uns haben will. Dann lassen wir einen Discount-Journalismus zu, der mit Sicherheit dazu führt, dass der professionelle Journalismus keine Zukunft mehr. Der professionelle Journalismus ist aber wichtig für unsere Republik, die ohne journalistische Profis, mit einer Leidenschaft für die Demokratie, mit einer Leidenschaft für unseren Rechtsstaat, mit einer Leidenscha  ft für Vernunft, auf Dauer nicht bestehen kann. Diese Republik braucht Professionellen Journalismus und keinen Discount-Journalismus. Diese Republik braucht gut ausgebildete Journalistinnen und Journalisten, auch im Bereich Produktionstechnik, auch im Bereich redaktioneller Arbeitsabläufe. Deshalb müssen wir mit großem Sachverstand und berufspolitischer Leidenschaft Einfluss nehmen auf die Bedingungen, unter denen journalistische Produkte entstehen.

Wir stehen vor wichtigen Weichenstellungen. Es geht um den Schutz vor Ausbeutung durch unfaire Verwertungsbedingungen. Es geht um angemessene Ausbildungsbedingungen und Fortbildungsbedingungen, damit wir Qualitätsjournalismus in crossmedialen Zeiten machen können. Und als Grundlage unserer Arbeit brauchen wir die Meinungsfreiheit und die Pressefreiheit, die Medienfreiheit. Artikel 5 GG wird von vielen Seiten stark angegriffen. Durch Zensur von Behörden, die es in Deutschland noch immer gibt. Durch den in unseren Medienbetrieben geltenden Tendenzschutz, der endlich fallen muss. Durch Schleichwerbung. Durch politische Einflussnahme auf redaktionelle Inhalte. Deshalb sind die gesellschaftspolitische Arbeit des DJV und die tarifpolitische Arbeit des DJV zwei Seiten ein- und derselben Medaille. Und beide Seiten sind notwendig, damit der professionelle Journalismus eine Zukunft hat. Wie diese Arbeit gemacht wird, davon hängt viel ab, nämlich nichts weniger als die Zukunft unserer Profession.
Zum Autor:
Peter Welchering ist am 28. März 1960 geboren und arbeitet seit 1983 als Technik- und Wissenschaftsjournalist  für Hörfunk, Fernsehen, Zeitschriften und Zeitungen (u.a. Deutschlandradio. ARD, FAZ, ZDF). Er war sechs Jahre Chefredakteur der Computer Zeitung und hat das Online-Portal IndustrieNet mit aufgebaut. Davor war er einige Jahre als Volontärausbilder in Fachverlagen (unter anderem für c’t) tätig.
Er hat verschiedene Lehraufträge an Journalistenschulen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. und hat verschiedene Lehraufträge an Journalistenschulen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Welchering ist Mitglied des Deutschen Presserates und Mitglied im Vorstand des DJV-Landesverbandes Baden-Württemberg.  

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