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DJV Blog

20. Dezember 2017
Lob auf die Lokalredaktionen

Bedeutung wird zu oft unterschätzt

Was wäre Deutschland aber ohne Lokaljournalismus? Was wüssten wir von den Stadt- und Gemeinderatssitzungen? Was von den Mauscheleien in der lokalen Wirtschaft?

Foto: DJV-Bildportal, Bertold Fernkorn

Häufig sind wir schnell damit, Lokaljournalismus als belanglos, weil (zu) nett, zu verurteilen. Selbst Verlage fahren noch immer Lokalteile zurück, aus unterschiedlichen Gründen natürlich. Dabei ist starker Lokaljournalismus unabdingbar für die Kontrolle der Kommunal- und Kreispolitik. Wer also bisher Lokaljournalismus tatsächlich als belanglos einstufte, sollte noch einmal in sich gehen. Fakt ist, dass von den Journalistinnen und Journalisten an Lokalzeitungen, beim Lokalradio oder an hyperlokalen Blogs einerseits erwartet wird, heiße Eisen anzupacken, gleichzeitig aber das Wir-Gefühl in der Region zu stärken und auch langfristig mit der Lokalpolitik zu interagieren. Dafür braucht es Fingerspitzengefühl. Die verbreiteten Informationen sind schließlich für alle unmittelbar vor Ort überprüfbar. Ein großes Problem: Zeit und Geld für langfristige Recherche werden immer weniger.

Überhaupt: die Einnahmen! Ein schwieriges Thema. Immer häufiger wird Lokaljournalismus im Netz gelesen, ohne dass finanziell viel davon in die Redaktionen fließt. Klar müssen sich so manche Verlage auch an die eigene Nase fassen und über bessere Präsentation und Publikumseinbindung nachdenken. Da tut sich hoffentlich bald noch so einiges. So einige gute Vorschläge zur Verbesserung hat Benjamin Piel im Oktober bei Zeit Online gemacht (Titel: Wir überleben nur, wenn wir besser werden). Immer wieder entstehen im Lokaljournalismus auch neue, spannende Projekte, darunter jüngst die Newscomer mit Jessica Schober. Davon brauchen wir mehr. Hoffentlich werden das Image und der Wert des Lokaljournalismus - in welcher Darstellungsform auch - in der Öffentlichkeit wieder zu erhöhter Zahlungsbereitschaft führen, BEVOR er an manchen Orten ganz verschwunden ist.

 

Ein Kommentar von Eva Werner


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