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20. März 2017
Online-Portale

Der Streit geht weiter

Statt einen sinnvollen Kompromiss zwischen Verlegern und Sendern über die digitalen Seiten von ARD und ZDF zu suchen, bekriegen sich die beiden Lager unversöhnlich. Den Schaden haben User und Leser.

Nur vordergründig ging die rechtliche Auseinandersetzung zwischen BDZV und öffentlich-rechtlichen Sendern um die Tagesschau-App. Es war einprägsam, den Zoff auf die Smartphone-Version der Hauptnachrichtensendung der ARD zu reduzieren. Seit Jahren fordern nun schon die Zeitungsverleger, die gesamten Digitalseiten von ARD und ZDF massiv einzuschränken. Ihr Argument: Die gebührenfinanzierten Sender verzerren den Wettbewerb, weil sie die Kosten für ihre Portale nicht erwirtschaften müssen und deshalb aus dem Vollen schöpfen können. Die Sender halten dagegen, dass sie im digitalen Zeitalter attraktive Auftritte im Internet bieten müssen, um für Zuschauer und User weiterhin attraktiv zu sein.

 

Vor einem halben Jahr urteilte das Oberlandesgericht Köln, dass die Tagesschau-App vom 15. Juni 2011 nicht rechtmäßig gewesen sei. Und die vom 16. Juni oder von einem beliebigen Tag im vergangenen Jahr zum Beispiel? Ein unsinniges Urteil, weil es eine Momentaufnahme zum Gegenstand des kompletten Rechtsstreits machte. Dennoch zeigten sich die Zeitungsverleger hoch erfreut: "Eine öffentlich-rechtliche Zeitung im Internet darf es nicht geben", hieß es.

 

Statt sich weiter zu beharken, setzten sich Vertreter von Sendern und Verlagen zusammen, um nach einer Lösung zu suchen. Diese Verhandlungen sind nun gescheitert. Stattdessen werden von Verlegerseite jetzt Klagen gegen Radio Bremen, den MDR und den RBB vorbereitet.

 

Beide Seiten haben die vielleicht letzte Chance vertan, zu einer vernünftigen Lösung im Sinne von Usern und Lesern zu kommen. Das letzte Wort dürften die Gerichte haben. Hoffentlich steht am Ende ein Urteil, mit dem beide Seiten leben können!

 

Ein Kommentar von Hendrik Zörner


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