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21. Januar 2020
Gesichtserkennung Clearview AI

Die totale Überwachung droht

Die technischen Möglichkeiten zur umfassenden Live-Überwachung aller Bürger nehmen rasant zu. Journalistinnen und Journalisten müssen sich dieses Themas konsequent annehmen.

Beobachtung wird allgegenwärtig. Foto: MattiaMc / CC BY-NC-SA 2.0

Schlimm genug, dass Geheimdienste in der Lage sind, Kommunikation so ziemlich jedes Menschen live zu überwachen - auch vergangene Kommunikation haben manche Dienste wohl abgespeichert. Der technische Fortschritt macht es möglich, dass die Beobachtung durch öffentliche und private Institutionen total wird – überall, jederzeit und unbemerkt. Ein Beispiel dafür ist die von der "New York Times" publik gemachte Gesichtserkennungssoftware Clearview AI: Behörden und Sicherheitsunternehmen brauchen nur das Foto eines Menschen, um ihn zu identifizieren und alles zu erfahren, was im Netz über ihn zu finden ist.

 

Die Computer-Technologie, die uns die Globalisierung der Kommunikation und das Versprechen ungeahnter Möglichkeiten brachte, mutiert zur größten Bedrohung für Freiheit und Demokratie. Die Kombination von Künstlicher Intelligenz, schier unendlichen Speicherkapaitäten sowie erschwinglichen Hochleistungskameras ermächtigt Staaten wie Unternehmen, alles und jeden zu beobachten und dabei jedwedes - wie auch immer definierte - abweichende Verhalten festzustellen. Am Berliner Südkreuz experimentiert die Polizei mit Gesichtserkennungskameras, die U-Bahn im japanischen Osaka testet Gesichtserkennung gar als Fahrkartenersatz.

 

Die sich entwickelnde Überwachungsgesellschaft ist als Thema so abstrakt und komplex wie der Klimawandel. Ihre Auswirkungen sind erst zu spüren, wenn es zu spät ist. Das macht die Berichterstattung nicht leichter, aber umso wichtiger. Journalisten sind zwar keine Aktivisten, aber sehr wohl Anwälte in eigener Sache.

 

Ein Kommentar von Sebastian Huld.


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