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01. August 2017
Regierungskommunikation

Ein großer Tag

Nach nur zehn Tagen flog der Kommunikationsdirektor des Weißen Hauses aus selbigem wieder heraus. Und was sagt sein Boss dazu? Er twittert: "Ein großer Tag." Wer verbreitet jetzt nur Trumps Lügen?

Offenbar hat Anthony Scaramucci selbst für das Operettenregime von Donald Trump zu kräftig zugelangt. Der neue Kommunikationsdirektor wollte alle undichten Stellen im Weißen Haus stopfen und hat deshalb jeden Journalisten beschimpft, dessen Berichte auf Insiderkenntnissen beruhten. Seine O-Töne waren so derb, dass sie im spießigen amerikanischen Kommunikationsklima von einer Flut an Beeps und Blings unterbrochen werden mussten.

 

Gestern schließlich platzte dem US-Präsidenten offenbar der Kragen. Trump feuerte Scaramucci, die Nachfolge ist noch offen. Die Hauptstadtjournalisten in Washington dürfen sich derweil mit der stellvertretenden Regierungssprecherin Sarah Huckabee Sanders herumschlagen. Das ist die Frau, die vor wenigen Wochen mit ihrer Medienbeschimpfung einen Fernsehjournalisten zum Ausrasten brachte. Dass sie die Lügen ihres Chefs, ohne mit der Wimper zu zucken, an die Leute bringt, daran zweifelt in Washington niemand.

 

Was macht das mit den Journalisten? Das Kommunikationsdesaster dürfte zu noch mehr kritischen Recherchen ermuntern. Wer es nicht eh schon wusste, dem müsste es inzwischen dämmern: Glaube nur, was du selbst recherchiert hast, und nicht das, was dir ein vermeintlicher Kommunikator verkaufen will.

 

Ein Kommentar von Hendrik Zörner


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