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19. Juni 2017
Danke taz

Eingeständnis war wichtig und richtig

Die taz-Titelseite vom Wochenende zum Tod Helmut Kohls kam nicht gut an. Blühende Landschaften wurde da getitelt. Zu sehen war Grabschmuck. Geschmacklos wurde die Seite unter anderem genannt.

 

Vorbildlich war aber die schnelle Reaktion des taz-Chefredakteurs. "Das ging daneben" schrieb Löwisch. "Ein Witz, der von so vielen falsch verstanden wird, ist schlecht. Unsere Seite eins, die von uns durchaus als kritische Würdigung des Altkanzlers gemeint war, ist anders angekommen: als Respektlosigkeit gegenüber dem Tod eines Menschen." Die taz-Titelseite sei missglückt. Er versuchte erst gar nicht, die Verantwortung von sich als Person zu weisen, sondern schrieb weiter, "das tut mir leid".

 

Mit diesem Eingeständnis hat Löwisch Klasse bewiesen. Der Journalismus bräuchte mehr solcher Eingeständnisse, die Lesern (bzw. Rezipienten) signalisieren, dass sie ernst genommen werden, dass man auf ihre Reaktionen eingeht. Nur wer bereit ist, Entscheidungen auch nachträglich öffentlich als falsch darzustellen, kann auf eine echte Interaktion mit dem Leser bauen.

 

Fehler können passieren - und so eine Titelseite war sicher ein Fehler. Aber sie können auch öffentlich eingestanden werden. Journalismus von der hohen Kanzel herunter, das war einmal. Diese Zeiten sind vorbei und das ist gut. Noch fällt es nicht allen leicht, die Leser ernst zunehmen. Aber das wird zunehmend wichtiger. Die taz zeigt, wie es geht.

 

Ein Kommentar von Eva Werner


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