Deutscher Journalisten-verbandGewerkschaft der Journalistinnen und Journalisten
Service-Bereich

DJV Blog

05. Juli 2017
Grönemeyer-Urteil

Herbert, das Unschuldslamm

Das Landgericht Köln hat die Berichterstattung über Herbert Grönemeyers Begegnung mit Journalisten im Dezember 2014 weitgehend untersagt. Ein merkwürdiges Urteil.

Was sich genau am Flughafen Köln/Bonn abspielte, als der Sänger Herbert Grönemeyer im Dezember 2014 auf mehrere Journalisten traf, bleibt wahrscheinlich für immer im Verborgenen. Die Kollegen schilderten Prügelszenen. Grönemeyer ging daraufhin juristisch dagegen vor, dass er von mehreren Blättern als brutaler Schläger dargestellt wurde.

 

Jetzt hat das Landgericht Köln Recht gesprochen - oder das, was es dafür hält (Az. (Az. 28 O 177/15 und 178/15). So darf der Heinrich Bauer Verlag weder Bilder des Vorfalls veröffentlichen noch verbreiten, wie es in einer Mitteilung des Gerichts heißt, "dass der Sänger einem der Fotografen den Finger umgebogen, auf dessen Kamera eingeschlagen oder mit einer Laptop-Tasche, in der sich ein Computer befunden habe, zugeschlagen habe. Auch die Behauptung der beiden ebenfalls beklagten Fotografen, sie seien an der Hand und im Gesicht verletzt worden sowie die Veröffentlichung entsprechender Bildnisse der Fotografen wurde untersagt." Ähnliche Behauptungen wurden dem Springer-Verlag verboten.

 

Skurril wird es im Zusammenhang mit der "Bunten". Laut Kölner Landgericht muss das Magazin eine Richtigstellung drucken. Sie "muss dahingehend erfolgen, dass – anders als zunächst berichtet – Herr Grönemeyer den Fotografen, als er stand, am Nacken festgehalten hat und sich dieser sodann zu Boden fallen ließ".

 

Ob das Urteil Bestand hat, wird sich zeigen. So schützenswert die Privatsphäre eines prominenten Künstlers ist, so klar ist auch das Recht von Journalisten auf körperliche Unversehrtheit.

 

Ein Kommentar von Hendrik Zörner


journalist Logo

Die Redaktion berichtet monatlich über Ereignisse und Entwicklungen in den Medien, stellt spannende Köpfe der Branche vor und ... mehr

Wir unterstützen die Europarats-Kampagne
No Hate Speech Movement