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DJV Blog

16. Juli 2012
Dortmund

Kreuzzug gegen Journalisten

Die Überbringer schlechter Nachrichten an den Pranger zu stellen ist eine aus dem finsteren Mittelalter bekannte Verhaltensweise. Journalisten, die diesen Beruf schon ein paar Jahre ausüben, können aus ihrer eigenen Praxis mehr als ein Beispiel nennen. Die Schar der Betroffenen wird derzeit in Dortmund und Umgebung größer. Schuld daran trägt der Oberbürgermeister der Stadt Ullrich Sierau, der, wie es scheint, in die offene Feldschlacht gegen Journalisten und Medien gezogen ist. Juristischen Beistand erhält er von keinem Geringeren als dem ehemaligen Wulff-Anwalt Gernot Lehr, der in diesen Tagen im Auftrag des Vatikan gegen das Satiremagazin Titanic vorgegangen ist. Stein des Dortmunder Anstoßes sind Berichte über ein Haushaltsloch im Etat der Stadt. In einigen Fällen waren sie nicht besonders sorgfältig recherchiert, so dass eine Korrektur angebracht gewesen wäre. Doch statt mit den Autoren darüber zu reden, schlug die Stadt gleich den Rechtsweg ein. Es gehe um das Image Dortmunds, lautete die Begründung. Betroffen waren mehrere WAZ-Medien, die Rheinische Post, die FAZ, die Frankfurter Rundschau, die Welt am Sonntag und ein Blog. Ob die juristische Keule für Dortmunds Image förderlicher ist als die beanstandeten Berichte? Helmut Dahlmann, Vorsitzender des DJV NRW, kommentierte: "Der Oberbürgermeister keilt hier aus wie ein wildes Pferd."

Hendrik Zörner


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