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ARD

70 Jahre Gemeinschaft

09. Juni 2020

Die ARD wird heute 70 Jahre alt. Herzlichen Glückwunsch! Ein Grund zum Feiern, denn der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Deutschland ist unverzichtbar – gerade in der Coronakrise hat er wieder seinen Wert bewiesen. Aber 70 Jahre ARD sind auch 70 Jahre „Alle reden durcheinander“…

ARD-Logo. Bild: ARD.

Am 9. Juni 1950 taten sich sechs Radiosender zusammen, um die „Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland“ zu gründen: die Geburtsstunde der ARD vor genau 70 Jahren. Wobei dieses Kürzel für die Arbeitsgemeinschaft erst 1954 eingeführt wurde. Der föderale Gedanke und die Regionalität waren schon bei der Gründung der späteren ARD-Sender fundamentaler Bestandteil der Idee des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Deutschland. Heute sind „die ARD“ neun Rundfunkanstalten mit über 64 Hörfunkwellen, dem gemeinsamen Fernsehprogramm „Das Erste“ und neun dritten Fernsehprogrammen, dazu Digitalkanäle wie Tagesschau24 oder das Jugend-Onlineangebot Funk, außerdem die Rundfunkorchester und verschiedenste Gemeinschaftseinrichtungen und Organisationsstrukturen wie die Degeto oder das Deutsche Rundfunkarchiv und manches mehr.

Einigkeit fällt den neun Rundfunkanstalten da eher schwer, nicht umsonst wird „ARD“ auch gerne spöttisch übersetzt mit „Alle reden durcheinander“. Die Verschiedenheit und die verschiedenen Interessen der Sender werden immer wieder deutlich, zuletzt beim Versuch, ein gemeinsames digitales Kulturangebot zu etablieren. Angesiedelt werden sollte es beim MDR – acht Sender stimmten dafür, der Bayerische Rundfunk dagegen.

70 Jahre ARD sind aber auch 70 Jahre „Alle reden darüber“. Denn von Anfang an waren ARD und öffentlich-rechtlicher Rundfunk der Kritik ausgesetzt, in den 1980-Jahren eher von links, heute eher von rechts – manchmal zurecht, viel öfter aber zu unrecht. Teuer, intransparent, aufgebläht, zerstritten, unbeweglich, von der Politik kontrolliert, unkontrollierbar, zu kritisch, zu angepasst, zu viel hiervon, zu wenig davon und dann noch das leidige Thema Rundfunkgebühren. Anscheinend kann es die ARD irgendwie niemandem so richtig recht machen.

Doch Ansprüche und Forderungen, was der öffentlich-rechtliche Rundfunk und die ARD alles leisten, können, tun, senden und sein sollen, sind so vielfältig wie die Menschen in der Bundesrepublik. Die ARD polarisiert und emotionalisiert: Jeder hat zu ihr eine Meinung; jeder hat ihr gegenüber Gefühle, positiv oder negativ; und jeder redet gerne über sie. Wäre sie mal nicht mehr da, man müsste sie erfinden - und sei es nur, um sich über sie aufzuregen.

Als ehemaliger freier Mitarbeiter in der ARD, vor allem beim Hessischen Rundfunk, kann ich einiges der Kritik nachvollziehen, manches davon teile ich auch. Aber trotzdem: Gerade die Krise, in der wir uns befinden hat noch einmal sehr deutlich gezeigt, wie gut, wie aktuell und nach wie vor notwendig und erhaltenswert die Idee des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Deutschland ist.

Und deswegen nochmal: Alles Gute, liebe ARD, weiterhin gute Gemeinschaft. Bleib so wie du bist und entwickele dich weiter.

 

Ein Kommentar von Paul Eschenhagen

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