Deutscher Journalisten-Verband Gewerkschaft der Journalistinnen und Journalisten

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Aktion #allesdichtmachen

Nicht mehr ganz dicht…

23.04.2021

Bekannte Schauspieler*innen versuchen sich an Satire und ziehen über die Corona-Maßnahmen und die Medien her. Der Applaus von Rechten und Querdenkern kam prompt.

Jan Josef Liefers im #allesdichtmachen-Video. Screenshot: YouTube.com

Satire soll und darf weh tun und empören, Missstände aufdecken, Mächtigen auf die Füße treten. Satire darf geschmacklos sein. Satire ist wichtig und sie ist in Deutschland zum Glück sehr weit von der Meinungsfreiheit gedeckt. Satire darf auch mal danebengehen. Und so richtig ins warme Braune gegriffen haben die vielen bekannten Schauspieler*innen, die ihre „satirischen“ Videos auf YouTube bei der Aktion Allesdichtmachen (#allesdichtmachen, #niewiederaufmachen und #lockdownfürimmer) veröffentlicht haben. Damit haben sie sich schon einiges an Kritik eingehandelt, auch von Schauspiel-Kolleg*innen – und viel Zustimmung geerntet von Braunen, Rechten, Corona-Leugnern und Querdenkern.

 

Zu sehen sind dort über 50 Videos von bekannten deutschen Schauspieler*innen, die sich satirisch mit der deutschen Corona-Politik auseinandersetzen. Darunter auch ein Video von Jan Josef Liefers. In knapp eineinhalb Minuten bedankt er sich bei "allen Medien unseres Landes". Er dankt, dass kein „unnötiger, kritischer Diskurs“ ablenken könne „von der Zustimmung zu den sinnvollen und immer angemessenen Maßnahmen unserer Regierung“. In letzter Zeit habe er das Gefühl, dass einige Zeitungen „alte, überwunden geglaubte Vorstellung von kritischem Journalismus“ wiederaufleben lassen wollen. Das dürfe man nicht zulassen. „Wir sollten einfach nur allem zustimmen und tun, was man uns sagt. Nur so kommen wir gut durch die Pandemie“, folgert Liefers.

 

Nun lebt Satire von der Überspitzung, davon, den Finger in die Wunde zu legen. Aber dieses Nacherzählen der Narrative von „Lügenpresse“-Rufern, Schwurblern und Verschwörungsideologen macht es sich damit zu einfach und ist so wohlfeil wie zynisch. Gerade angesichts der vielen Angriffe auf Journalist*innen bei Querdenker-Demos und der Tatsache, dass Deutschland deswegen diese Woche zwei Plätze im Ranking der Pressefreiheit verloren hat. Damit ist es ein verbaler Schlag ins Gesicht derjenigen, die trotz der Drohungen und Gefahren immer wieder berichten und sich nicht einschüchtern lassen.

 

Liefers verkennt außerdem die Tatsache, dass das Vertrauen der Deutschen in die Medien in der Corona-Pandemie deutlich gestiegen ist. Hoffentlich informiert er sich nächstes Mal besser – kritischer Journalismus hilft.

 

Ein Kommentar von Paul Eschenhagen

 

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