Deutscher Journalisten-Verband Gewerkschaft der Journalistinnen und Journalisten

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Lokaljournalismus

Ohne Zeitung wird es teuer

21.10.2021

Wenn Lokalredaktionen schließen, steigen Umweltverschmutzung und Wirtschaftskriminalität. Das zeigt eine Studie aus den USA.

Lokalzeitungen sind wichtig. Foto: canva.com

Die Wissenschaftler Jonas Heese, Gerardo Pérez Cavazos und Caspar David Peter haben untersucht, wie Firmen vor Ort reagieren, wenn sie nicht mehr unter Beobachtung durch Journalistinnen und Journalisten stehen. Die Ergebnisse sind gruselig: Der Grad an krimineller Energie steigt, Betrug, Finanzvergehen, Wasser- und Luftverschmutzung sowie Verstöße gegen das Arbeitsschutzrecht nehmen zu. "Wenn es keine Lokalzeitung mehr gibt, die der Wirtschaft vor Ort auf die Finger schaut, begreifen das viele Firmen ganz offensichtlich als Freifahrtschein für Betrug und Regelverletzungen", so der Ökonom Heese von der Universität Harvard in der Süddeutschen Zeitung.

 

Die Bußgelder, welche Behörden gegen Firmen verhängten, erhöhten sich laut der Studie in Gegenden mit weniger gewordenen lokalen Medien im Schnitt um gut 15 Prozent. In Regionen, in denen es gar keine Lokalzeitung mehr gab, sogar um 36 Prozent. Zur Überprüfung ihrer Ergebnisse schauten sich die Wissenschaftler auch das Emissionsregister der nationalen Umweltbehörde EPA an. Auch hier war der Befund dramatisch: In Gegenden, in denen Lokalredaktionen verschwanden, stieg der Ausstoß giftiger Gase um durchschnittlich 18,3 Prozent an.

 

Diese Zahlen sind vor allem deswegen so bemerkenswert, weil die Dunkelziffer aller Voraussicht nach extrem hoch ist. Nur wenn Firmen erwischt werden, können überhaupt Bußen verhängt werden. Solche oft investigativen Recherchen leisten in den meisten Fällen Lokaljournalisten. "Ohne Lokalzeitung gibt es niemanden mehr, an den sich Mitarbeiter skrupelloser Unternehmen mit Informationen wenden können", sagt Heese. "Die Zahlen, die wir ermittelt haben, sind deshalb die absolute Untergrenze dessen, was tatsächlich an Gesetzesverstößen passiert.“ Außerdem stellen lokale Medien auch bei einem Verfahren die nötige Öffentlichkeit her. „Gibt es keine Lokalzeitung, kann sie die Strafe zahlen, ohne dass jemand darüber berichtet und ihre öffentliche Reputation dadurch Schaden nimmt.“

 

Auch andere Studien kommen zu ähnlich erschreckenden Ergebnissen. Sterben die lokalen Medien, fehlt die wichtigste Kontrollinstanz für skrupellose Firmen. Die Menschen vor Ort zahlen dafür einen hohen Preis.

 

Auch der DJV-Podcast „Wir Journalisten“ hat das Thema Lokaljournalismus behandelt. Mika Beuster, Reporterchef beim Weilburger Tageblatt und beim Usinger Anzeiger sowie Mitglied im DJV-Bundesvorstand, berichtet von den Herausforderungen und Chancen im Lokalen.

 

Ein Kommentar von Paul Eschenhagen

 

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