Deutscher Journalisten-Verband Gewerkschaft der Journalistinnen und Journalisten

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RT DE

Propagandakanal lässt Personal suchen

03.03.2021

Der Propagandakanal des Kreml RT DE sucht Personal. Im Wahljahr 2021 geraten so Politik und Journalismus zusätzlich unter Druck.

So ausführlich wie selten hat sich der Spiegel in seiner aktuellen Ausgabe mit den Bestrebungen des Kreml befasst, auf die deutsche Innenpolitik Einfluss zu nehmen, vor allem im Wahljahr 2021. Wichtigstes Instrument ist demnach der Propagandakanal RT DE, der bis Ende letzten Jahres noch RT Deutsch hieß. Dem Spiegel liegen Insiderberichte vor, aus denen er zitiert. Demnach wird das belegt, was wir vom DJV schon vor Jahren behauptet haben: RT ist kein Informationsmedium mit anderer Tendenz als die meisten anderen deutschen Medien, sondern ein Portal, das seine inhaltlichen Anweisungen aus Moskau bekommt, das noch nicht mal ansatzweise innere Pressefreiheit kennt. Bei den Direktiven aus dem Osten geht es laut Spiegel nicht um Ermahnungen, höchste journalistische Standards einzuhalten, sondern um die Botschaften aus dem Putin-Umfeld, die unter den deutschen Usern verbreitet werden müssen.

Eine weitere Nachricht enthält der Spiegel-Bericht, die aufhorchen lässt: Noch in diesem Jahr soll die aus 70 bis 100 Mitarbeitern bestehende Deutschland-Crew um 100 Prozent aufgestockt werden. Wenn es die Absicht von RT DE ist, propagandistisch Einfluss auf die Bundestagswahl zu nehmen, braucht es dafür nicht ein paar, sondern viele Mitarbeiter. Stellenanzeigen sucht man indes auf den RT-Seiten vergebens. Ist es mit der Personalsuche womöglich noch nicht so weit?

Doch, aber auf anderem Wege. Für eine Position, wenn nicht für noch viele mehr, scheint RT DE mit einer Personalberatung zusammenzuarbeiten, die gezielt auf potentielle Interessenten zugeht. Die Chefin oder der Chef der Deutschland-PR von RT wird derzeit von einem Headhunter gesucht. Und das durchaus geschickt. In mindestens einem Fall ging der Headhunter auf einen Mitarbeiter einer Organisation zu, die sich öffentlich kritisch zu RT positioniert hat. Ginge die Rechnung auf, könnte RT DE das Netzwerk dieser Person zu infiltrieren versuchen. Und die Organisation wäre als RT-Kritikerin zudem geschwächt. Unwahrscheinlich, dass ein solches Kalkül die Erfindung der Personalberatung ist. Das dürfte an ganz anderer Stelle ersonnen worden sein.

Wenn in diesen Tagen Journalisten auf ähnliche Weise für einen Job bei RT DE angeworben werden sollten, ist größte Vorsicht geboten. Wer für RT arbeitet, hat sich vom kritischen und unabhängigen Journalismus verabschiedet. Und ob er oder sie das will oder nicht: RT-Beschäftigte haben teil an der Destabilisierung der Demokratie. Nicht nur im Wahljahr 2021, aber jetzt besonders.

Ein Kommentar von Hendrik Zörner

 

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