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02. Oktober 2013
Markt

Bezahlen von Autoren als das neue Sonderbar

Wer heute Autoren im Netz irgendetwas mit Geld verspricht, darf mit Sensationsmeldungen rechnen.
Eine Karikatur thematisiert ironisch neue Geschäftsmodelle in den Medien. Ein Mann, der einen Journalisten darstellen soll, sitzt am Laptop und meint: Adoptieren Sie doch einmal - (er macht eine kurze Pause) einen Journalisten!


Nein, wir wollen angesichts des Onlineprojekts "Ticula" nicht schon wieder - wie weiland beim (mittlerweile untergegangenen) Autorenportal Suite101 - mit Warnmeldungen vor Geschäftsmodellen ohne Erfolgsaussicht brillieren.

In einer Zeit, in der das Projekt kostenloser Contentbeschaffung in Form der Huffington Post Deutschland neue Höhepunkte feiern darf und andere Medien ihr dabei fasziniert zu folgen beginnen, scheinen Ankündigungen von Erlösmodellen für Autoren geradezu sensationell. Nur so ist auch nachvollziehbar, warum die Ankündigungen von Fachmedien und Interviews in Spezialblogs bei "Ticula" einen geradezu enthusiastischen Unterton haben.

Es soll gezahlt werden, was allerdings genau, das werde noch nicht mitgeteilt, heißt es. Autoren könnten sich aber jetzt schon bewerben.

Wer seinen freien Journalismus betriebswirtschaftlich betreibt, müsste angesichts solcher Aussagen eigentlich schon einen Herz-, wenn nicht Hirninfarkt erlitten haben. Eigentlich, denn wir leben nicht mehr im 20. Jahrhundert, als prächtige Gewinnmargen in den Medien üblich waren und mancher freie Journalist, auch ohne gleich ein Genie zu sein, im Porsche auf den Verlagsparkplatz rauschen konnte.

Heute, im beginnenden 21. Jahrhundert, erklären uns Medienjournalisten (lebende Pleonasmen), dass freie Journalisten eher Lebenskünstler sein müssten, die von Vorträgen (darüber, wie Journalismus eigentlich sein müsste) in Volkshochschulen oder (sic!) Medienstudiengängen leben sollten, als Berater für Unternehmen oder (auch) Medien tätig werden könnten, denn das schnöde Zeilenhonorar werde ohnehin nicht mehr zu retten sein und das zur Mehrfachwertung erforderliche Urheberrecht sei ohnehin von gestern.

Wer von Vorträgen lebt, braucht Publizität, und hier kann kostenloses Bloggen und am Ende sogar die Huffington Post helfen. Das alles ist in sich logisch und geschlossen, und wer überdies (immer noch) an die alte Erzählung vom ständigen Fall der Gewinnmargen glaubt, wird sich in seiner Marktphilosophie noch bestätigt finden: Am Ende der Geschichte erhält das Content schaffende Fußvolk auf Grund der Gewinngier der Medien nicht einmal mehr genug, um sich über Wasser halten zu können, was in unserem konkreten (Huffington-Post-)Fall auch man einfach wirklich heißt: gar nichts.

Der dermaßen geknechtete Content-Arbeiter sucht, auch das weiß der Philosoph, nach Befreiung - und da ist jeder Strohhalm recht. Nicht was konkret gezahlt wird, sondern dass überhaupt noch das Prinzip "Geld für Arbeit" gilt, ist die Sensation.

"Erkenne den Fehler."



MH










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