Deutscher Journalisten-Verband Gewerkschaft der Journalistinnen und Journalisten

der freienblog

Medienkrise

Existenzgründung als Ausweg?

23.11.2012

Zähne zusammenbeißen, rein in den freien Markt: Die ersten Kandidaten sind schon unterwegs. Kommentar erforderlich?


Die Existenzgründungswebinare (ja, heutzutage geht alles online, selbst die Weiterbildung) des DJV sind manchmal wie feine Oszillatoren: Was in den Medien abgeht, lässt sich hier schnell ermessen. Die Teilnehmer kommen direkt aus den Medien, die in der Krise sind: Mitarbeiter von FTD, dapd, PRINZ - und noch andere.

Der Exodus in die Selbständigkeit - die Alternative zur drohenden Arbeitslosigkeit? Zyniker im Medienbereich sagen schon seit langem: Es gibt keine arbeitslosen Journalisten, sondern immer nur Freie. Im Kollegenkreis, im Lebenslauf zumindest. Aber jenseits des Euphemismus - macht Selbständigkeit jetzt noch Sinn?

Der Markt ist doch verrückt, meint eine Kollegin, die seit langen Jahren gar nicht im Zeitungs-, nicht einmal im Magazinbereich arbeitet. Als erfahrene Dokumentarfilmerin kauft ihr dennoch keine Anstalt ein Stück mehr ab, Auftraggeber canceln lange Zeit vorbereitete Projekte von heute auf morgen oder erwarten allen Ernstes die kostenlose Mitarbeit. Die AG Dok berichtete unlängst aus ihrer Umfrage, ein Teil der Dokumentarfilmer müsste mittlerweile (wieder) bei den Eltern leben. Und aus Süddeutschland berichtet ein langjährig erfahrener Bildjournalist, was zur Zeit abgehe bzw. nicht abgehe, übersteige jede bisherige Erfahrung.

Griechenland ist überall, scheint´s. Griechische Verhältnisse kriechen in alle Lebens- und Arbeitsbereiche. Sparen und Schließen bis zum Anschlag, bis zum Verderb. Perspektiven? Welche Perspektiven? Der nächste Pleitekandidat in den Medien scheint schon in Sicht, ein makaberes Ratespiel.

Das einzig Beruhigende: Zur Existenzgründung als freie/r Journalist/in hat noch nie jemand geraten. Eigentlich nie. Zu gering sind die Durchschnittshonorare, von einigen Glückspilzen in Sonderbereichen der Medien einmal abgesehen.

Insofern gibt es nichts, was geändert werden müsste. Wir beraten nur. Beraten, wie es einigermaßen klappen könnte. Vielleicht ist das noch das einzige, was seriös gemacht werden kann. Zu sagen, wie es einigermaßen gelingen kann. Und kaum ein Wort mehr.


MH





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