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30. Juli 2019
Marie Sophie Hingst

Instrumentalisierte Trauer

Nach dem Tod der Bloggerin Marie Sophie Hingst werden zum Teil schwere Vorwürfe gegen den "Spiegel" erhoben. Wie berechtigt sind sie?

Wahrscheinlich kennen nicht viele Menschen das Gefühl, als Journalist mit dem Tod konfrontiert zu sein und dennoch berichten zu müssen. Für alle diejenigen, die Gefühle haben, sensibel sind, Empathie empfinden, ist dieses Gefühl grausam. Vor allem: Es nagt lange an einem, schleicht sich in die Träume ein.

 

Warum diese Einleitung? Weil ich dieses Gefühl kenne und weil ich nicht in der Haut von Martin Doerry vom "Spiegel" stecken möchte, der mir zwar nicht persönlich bekannt ist, von dem ich aber weiß, dass er ein empfindsamer Kollege ist. Wer daran Zweifel hat, möge Doerrys Geschichte über die Bloggerin Marie Sophie Hingst lesen, die er im Mai in das Heft hob und die jetzt immer wieder erwähnt wird. Darin schildert Doerry, dass die Bloggerin eine jüdische Familiengeschichte erfunden hat, Dokumente fälschte und dass ihre frei erfundenen Schilderungen so überzeugend waren, dass sogar die israelische Gedenkstätte Yad Vashem sie geglaubt hat. Er hat nicht nur die Fakten dargestellt, sondern auch die Person Marie Sophie Hingst möglichst einfühlsam porträtiert. Zwei Monate später ist Hingst tot.

 

Seit ihr Tod vor einigen Tagen bekannt wurde, hat in der Netzwelt eine intensive Debatte begonnen, die inzwischen auf den Medienseiten der Zeitungen angekommen ist. Obwohl die Todesursache nicht bekannt ist, steht für viele Kommentatoren Suizid fest. Und da ist der Weg nicht weit, dem Spiegel die Verantwortung für den angeblichen Selbstmord in die Schuhe zu schieben. Dass der Bloggerin der Bericht über sie mächtig zugesetzt hat, ist erwiesen. Hätte Martin Doerry ahnen können oder müssen, dass die Enthüllung von Hingsts Hochstapeleien tödliche Folgen haben würde? Darum dreht sich jetzt die Auseinandersetzung.

 

Zum Glück gibt es auch die Kommentatoren, die den Auftrag der Journalisten betonen. Wie heißt es beim Spiegel? Sagen, was ist.

 

Ein Kommentar von Hendrik Zörner


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