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16. März 2020
Corona

Krise - aber auch Chance für Lokaljournalismus

Mika Beuster: "Zeigen, was wir können." Foto: Frank Sonnenberg

Die Corona-Pandemie hat uns im Griff. Sie wird leider noch einiges Leid bringen. Viele Berufsgruppen sind besonders gefordert. Ärztinnen und Ärzte etwa, Pflegepersonal, Forschende. Dieser Berufsgruppe vertrauen wir, uns zu schützen und zu heilen. Sie ist systemrelevant. Gerade jetzt, wo Unverantwortliche mit Falschnachrichten versuchen, Panik zu schüren oder politisches Kapital aus Verunsicherung zu schlagen, zeigt sich ganz deutlich: Auch Journalisten werden gebraucht, um durch die Krise zu navigieren. Auch sie sind systemrelevant, wie der DJV-Bundesvorsitzende Frank Überall nun sagte. Ich finde: Gerade vor Ort, wo die großen medialen Player nicht präsent sein können – in den Städten und Gemeinden, auf dem Land, wo verunsicherte Bürger Fragen haben. Welche Einrichtungen sind geschlossen, wo gibt es Notbetreuung für die Kinder, wer ist Ansprechpartner für meine Fragen, wer ist für mich da? Die Menschen brauchen und suchen Orientierung. Sie wenden sich vermehrt lokaljournalistischen Angeboten auf der Suche nach Antworten zu. Gut so.

 

Corona ist nicht nur Herausforderung, die Krise ist zeitgleich eine große Chance für den deutschen Lokaljournalismus – Vertrauen zu gewinnen, echten gesellschaftlichen Nutzen zu bieten in wirren Zeiten. Während nahezu alle öffentlichen Veranstaltungen abgesagt werden, ist der klassische lokale Terminjournalismus am Ende. Keine Jahreshauptversammlungen mehr, keine Kaninchenzüchter. Lokaljournalisten dürfen, können – nein: müssen nun zeigen, was sie können. Als Fakten-Checker, wenn auf Facebook und WhatsApp Falschnachrichten in Elterngruppen geteilt werden. Als Lotsen in der kommunalen Welt, wenn es darum geht, Fragen des Alltags zu sortieren. Als Ansprechpartner für die Nöte der Menschen – die im Zweifel Hilfesuchende mit Hilfsangeboten in Kontakt bringen. Sie haben ein offenes Ohr und sind vor Ort am Puls des Geschehens. Lokaljournalisten transportieren wichtige Botschaften, geben Sicherheit im Informationschaos. Sie liefern ihren Leserinnen und Nutzern gerade jetzt starke, journalistisch exzellente und relevante, unterhaltsame und informative Stücke. Sie sind ein wichtiger sozialer Kitt, der in Krisenzeiten dazu beiträgt, die Gesellschaft zusammenzuhalten.

 

Und: In Zeiten des "Social Distancing" sorgen sie dafür, dass Menschen gerade eben nicht sozial isoliert sind, sondern mit den lokaljournalistischen Angeboten am kommunalen Leben in Notzeiten teilhaben können. Freilich – die Kolleginnen und Kollegen brauchen gerade jetzt Unterstützung. Von Nutzerinnen und Nutzern, die bereit sind, diese wichtige Arbeit auch zu honorieren – auch mit Abogebühren oder Artikelkäufen. Von Verlegerinnen und Verlegern, die den Mut haben, weiter auf Zeitung zu setzen und gleichzeitig digitale Vertriebskanäle auszubauen – und dabei auf professionelle (lokal-)journalistische Inhalte setzen. Und auf Lokal-Journalistinnen und -Journalisten, die mit solidem Handwerk, einer Prise Gelassenheit und gleichzeitiger Neugier, mit Professionalität und Empathie, mit Kreativität und vor allem viel Freude ihrer Arbeit nachgehen. Vor allem im letzten Punkt habe ich keine Sorgen, dass dies der Fall ist.

 

Ein Kommentar von Mika Beuster


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