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Kilian Haller: 5 Arten, wie Roboter uns Journalisten retten werden

19.09.2019

Wie weit ist der Roboterjournalismus aktuell? Welche Chancen bieten automatisch generierte Texte, um Zeitungen neue Erlöse zu erschließen? Saim Alkan von AX Semantics gibt Antworten.

Saim Alkan hat mit seinem Unternehmen AX Semantics dazu beigetragen, dass das Wort "Roboterjournalismus" in Deutschland für viele nicht mehr rein negativ besetzt ist – angesichts der German Digitalangst keine geringe Leistung. Im Vortrag bei Besser Online 2019 nennt der Geschäftsführer fünf Gründe, warum die Roboter den Journalismus retten können.

  1. Inhalte für kleine Lesergruppen erstellen. Wer sich für Randsportarten wie Curling oder – noch deutlich spezifischer – die zweite Rhönrad-Bundesliga der Damen interessiert, wird auf den Seiten großer Zeitungsportale wenig Texte dazu finden. Es lohnt sich schlichtweg nicht, einen Menschen zu beschäftigen, der Ergebnisse und Spielereignisse in Texte gießt. Alkan ist überzeugt, dass Bots diese Leistung liefern und Medienunternehmen somit neue Mikro-Zielgruppen erschließen können.

  2. Internationalisierung. Alkan argumentiert, dass eine Übersetzung von Deutsch nach Chinesisch nicht so gut ausfällt wie ein Text, der gleich in mehreren Sprachen generiert wird. Das gibt Medien die Möglichkeit, mit automatisch generierten Texten auch in anderen Ländern zu berichten.

  3. Neue Umsätze. Agenturen versuchen, für verschiedene Kunden verschiedene Ansprachen zu finden. Beispiel: Eine Lokalzeitung aus Hessen möchte den Bildungsatlas gerne aus Sicht ihres Bundeslandes. Automatisch erstellte Texte können diese Gewichtung laut Alkan leiten.

  4. Individualisierung. Alkan geht sogar noch weiter: Ein Bericht über das Fußballspiel zwischen RB Leipzig und Bayern München kann für den Bayern-Fan anders generiert werden als für den Leipziger.

  5. Neue Inhalte. Stolz ist Alkan vor allem auf ein preisgekröntes Projekt, dass die Stuttgarter Zeitung mit der Software von AX Semantics verwirklicht hat. 800 Texte werden dort pro Tag online gestellt, die über die Feinstaubbelastung in Stadtteilen und Gemeinden berichten. "Ich kenne keinen Redakteur, der Bock hat, 800 Texte pro Tag zu schreiben", sagt Alkan.

 

Ein weiteres Beispiel: Eine Lokalzeitung veröffentlicht automatisch generierte Wetterberichte für Hunderte Gemeinden im Verbreitungsgebiet. Und weil sich die Wetterprognose im Laufe des Tages auch mal ändert, werden die Texte alle 20 Minuten aktualisiert.

 

"Die Daten stehen zur Verfügung", sagt Alkan. "Die Frage ist, was wir daraus machen."

 

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Info:
Weitere Firmen, die automatisch generierte Texte in Deutschland anbieten, sind Retresco, Textomatic oder Awantego.

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