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RBB-Sommerinterviews

Lehre aus Kalbitz-Interview

20.08.2020

Der Rundfunk Berlin-Brandenburg hat entschieden, die Gesprächsreihe "Politik am See" zu beerdigen. Das dürfte die Konsequenz aus dem umstrittenen Sommerinterview mit dem AfD-Rechtsaußen Andreas Kalbitz sein.

Kalbitz im RBB-Gespräch: Format veraltet. Screenshot: DJV

RBB-Chefredakteur Christoph Singelnstein legte in diesen Tagen eine klassische Wende hin. Nachdem er im vergangenen Monat noch das Sommerinterview mit dem Rechtsextremisten Andreas Kalbitz verteidigt hatte, steht nun fest, dass die Gesprächsreihe "Politik am See" im kommenden Jahr nicht mehr fortgeführt wird. Singelnstein dazu: "Nicht nur ich halte das gesamte Format für veraltet." Eine diplomatische Antwort. Denn einerseits gesteht er damit nicht im nachhinein einen Fehler ein, andererseits schafft er mögliches Konfliktpotential aus dem Weg, das bei künftigen Sommerinterviews entstehen könnte.

Ob das die richtige Entscheidung ist, müssen die Verantwortlichen des RBB bewerten. Richtig war auf jeden Fall die Kritik am Interview mit Kalbitz, der sich in dem Gespräch selbst ins beste Licht rücken und als sympathischer Politiker von nebenan präsentieren konnte. Ähnliche Gesprächsreihen werden jährlich zur Sommerzeit auch von anderen öffentlich-rechtlichen Sendern geführt. Tradition haben die Sommerinterviews, zu denen das ARD-Hauptstadtstudio jeweils einen Spitzenpolitiker der im Bundestag vertretenen Parteien einlädt. Abgesehen davon, dass es bei der ARD die Spree und beim RBB ein brandenburgischer See ist, der im Hintergrund plätschert, weisen die Sendungen viele Parallelen auf.

Gerade deshalb ist fraglich, ob Christoph Singelnsteins Begründung ("veraltetes Format") wirklich so diplomatisch ist, wie sie auf den ersten Blick erscheint. Innerhalb der ARD dürfte man "not amused" sein.

Ein Kommentar von Hendrik Zörner

 

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